Autor

Inga Burk
Volkswirtin der ING-DiBa
@IngaBurk

Chart of the Week Aufbruch aus Neuland

Freitag, 20. März 2015

Aufbruch aus Neuland?

 

 

Heute geht die CeBIT, die weltweit größte Messe für Informationstechnik, in Hannover nach einer Woche zu Ende. „5G“, „Big Data“ und die „Industrie 4.0“ sollen die Digitalisierung vorantreiben. So könnten Roboter, automatisierte Abläufe und die Vernetzung der Maschinen untereinander einen Wachstumsschub in Milliardenhöhe bedeuten. Ganz Deutschland jubelt: Dank der Digitalisierung wird das neue deutsche Wirtschaftswunder noch wunderbarer. Doch ist das wirklich so?

 

Nicht ganz. Obwohl die CeBIT seit 1986 in Deutschland ausgerichtet wird, hinkt das Land bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich hinterher. So belegt Deutschland in der Digital Agenda der Europäischen Kommission lediglich Platz 10 der 28 EU-Mitglieder und befindet sich somit nur im europäischen Mittelfeld. Auch beim Umsatz und Export von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) ist Deutschland bei weitem noch nicht so spitze wie manche denken.

 

Schaut man sich den gesamten IKT-Markt an, tritt die deutsche Schwäche deutlich zum Vorschein, wie unser Chart der Woche zeigt. Denn während die USA über ¼ des IKT-Marktes beherrschen, kommt Deutschland gerade mal auf einen Marktanteil von 4%. Ebenso verhält es sich mit dem deutschen Exportanteil: Obwohl Deutschland mit annähernd 8% nach China mit 12% und den USA mit 8,4% den größten Marktanteil an den gesamten Weltgüterausfuhren besitzt, spielen ITK-Güter innerhalb der deutschen Exportpalette nur eine geringe Rolle. Lediglich 4,4% machen IKT-Güter an den gesamten Exportgütern aus. Damit liegen nicht nur hochtechnologische Länder wie Japan mit 9% vor Deutschland, sondern auch die Niederlande mit 10% und vor allem China mit 27%. Im Verhältnis zum Marktanteil an den gesamten Weltgüterausfuhren schneidet Deutschland damit bescheiden ab.

 

Wenn jetzt jedoch der Fokus wieder auf die Digitalisierung gelegt wird, hat Deutschland nicht nur exportseitig zu kämpfen. Gemein gesagt zehrt Deutschland im Augenblick immer noch von den Wirtschaftsstrukturen Ende des 19. Jahrhunderts. Ob Auto, Maschinen, Chemie und Elektro auch in den kommenden Jahrzehnten noch Wachstumstreiber sind, ist mehr als zweifelhaft. Es ist eher zu erwarten, dass die Digitalisierung den Prozess weg vom Produzieren und hin zum Kreieren und Erschaffen weiter beschleunigen wird. Dieser Prozess kennt nicht nur Gewinner. Dass die zunehmende Digitalisierung nämlich auch jetzige Arbeitsplätze vernichten kann, zeigt eine Studie von Frey und Osborne aus dem Jahr 2013: Fast jeder zweite jetzige Arbeitsplatz könnte dabei der Digitalisierung zum Opfer fallen. Auch in Deutschland. Mehr Anstrengungen sind nötig, um das digitale Profil Deutschlands zu schärfen. So wie bei den Exporten ist Deutschland auch bei Innovationen in Rückstand geraten. Daher sollte man sich nicht zu viel auf die eigenen Schultern klopfen, sondern ganz einfach die Ärmel hochkrempeln und aus dem Neuland endlich blühende digitale Landschaften machen.

 

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