Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Carsten Brzeskis Blog Konjunkturausblick April

Dienstag, 14. April 2015

Konjunkturausblick April

 

Während die EZB gerade erst mit ihrem Quantitative Easing (QE) Programm begonnen hat, diskutiert manch einer schon die Reduzierung („Tapering“) der Anleihekäufe. In den USA haben mäßige Wirtschaftsdaten Notenbanker und Märkte ins Grübeln gebracht und in China wird es eher schlechter als besser. Zu allem Überfluss könnten die Parlamentswahlen in England am 7. Mai zu neuen Spannungen und Brexit-Diskussionen führen. Es bleiben spannende Zeiten. Ein kurzer Überblick über unser aktuelles Makro-Szenario.

 

Hillary Clinton's Ankündigung, 2016 erste Präsidentin der USA werden zu wollen, hat den US-Präsidentschaftswahlkampf endgültig eingeläutet. Auch wenn es noch 18 Monate dauert bis ein Nachfolger für Barack Obama gewählt wird. Die amerikanischen Wirtschaftsdaten haben dagegen einmal mehr enttäuscht. Aus den Protokollen der letzten Fed-Sitzungen war zu erkennen, dass eine Zinserhöhung im Juni zwar diskutiert wird, man von einer Entscheidung aber noch weit entfernt ist. Die Tatsache, dass nach der letzten Sitzung so ungefähr alle Wirtschaftsdaten enttäuschten, allen voran die Arbeitsmarktzahlen, macht eine Zinserhöhung im Juni eher unwahrscheinlich. Oder anders gesagt: nur wenn die Löhne in den kommenden Wochen stark steigen und/oder die Wirtschaftsdaten stark anziehen, wird die Fed schon im Juni die Zinsen erhöhen.

 

Während die USA im Augenblick also etwas schwächeln, überzeugt die Eurozone derzeit mit positiven und konsensübertreffenden Stimmungsindikatoren. Der Economic-Sentiment-Indikator (ESI) stieg um 1,5 Punkte, das Vertrauen in die Industrie um 1,7 Punkte und das Vertrauen der Verbraucher um 3,0 Punkte. Ebenfalls hat sich die Geldmengen- und Kreditentwicklung verbessert. Aufgrund der positiven Daten haben wir unsere Wachstumsprognose von 1,4% auf 1,5% für dieses Jahr angehoben. Dass aufgrund der positiven Stimmung bereits über einen Ausstieg aus dem Quantitative Easing (QE) Programm diskutiert wird, halten wir allerdings für verfrüht. Auch wenn die Anzeichen für eine Erholung so gut stehen wie seit fünf Jahren nicht mehr, sollten die verhinderten Aufschwünge der letzten Jahre Warnung genug sein, das QE Programm vorzeitig zu beenden. Es ist schon merkwürdig, dass in der Eurozone mit einem erwarteten Wachstum von 1,5% und einer Arbeitslosenquote von mehr als 11% über den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik spekuliert wird, während man in den USA bei doppelt so hohem Wachstum und halb so hoher Arbeitslosigkeit gerade eher kalte Füße zu bekommen scheint. Außerdem sollte man in der Eurozone nicht vergessen, dass man mit Griechenland immer noch einen Risikofaktor hat, der die Stimmung im zweiten Quartal drücken könnte, wenn keine Lösung für die Schuldensituation gefunden wird. Obwohl momentan eine gewisse Ruhe eingekehrt ist, führen widersprüchliche Medienberichte immer wieder zu Verstimmungen auf beiden Seiten. Die Wahrscheinlichkeit für einen „Grexit“ sehen wir daher immer noch bei 25%, obwohl unser Basis-Szenario mit einem dritten Bail-out Plan mit einer 60%-Wahrscheinlichkeit deutlich überwiegt.

 

In China haben die jüngsten Exportzahlen enttäuscht. Die Ausfuhren brachen im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14,6% ein, während die Einfuhren ebenfalls um 12,7% zurückgingen. Die Reformbemühungen der Regierung zeigen bisher noch wenig positive Wirkung. Im Gegenteil. Laut kurzfristigen Konjunkturindikatoren könnte das Wachstum dieses Jahr noch deutlich schwächer ausfallen als die erwarteten 7%. Mittelfristig sollen Maßnahmen, wie z.B. die Seidenstraßen-Initiative, ein 40 Milliarden Dollar Projekt, mit dem Investitionsprojekte von China nach Europa über Südostasien und Afrika gefördert werden, und inländische Investitionen im Infrastrukturbereich helfen, um nachhaltiges Wachstum zu fördern und Überkapazitäten, Überhitzung und geringe Innovationen abzubauen.

 

In Japan bleiben die Wachstumsaussichten verhalten. Während der Winter-Bonus 2014 das erste Mal seit 6 Jahren gestiegen ist, sinkt die Kaufkraft der Haushalte langsam, aber stetig. Der Exportsektor profitiert derweil vom schwachen Yen. Obwohl das Inflationsziel von 2% derzeit nicht erreicht wird, zeigt sich die Bank of Japan (BoJ) noch nicht besorgt, weswegen wir nicht von einer baldigen Politikänderung ausgehen.

 

Die Erholung der Weltwirtschaft bleibt holprig. Positiven Signalen, vor allem aus der Eurozone, stehen viele Risiken gegenüber. Und so hat der IWF wohl Recht, wenn er seine diesjährigen Tagungen unter das Motto stellt „Ist Mittelmaß die neue Realität?“. 

 

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