Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Carsten Brzeskis Blog Happy End mit Pleite gibt es nicht

Freitag, 24. April 2015

Happy End mit Pleite gibt es nicht

 

Zugegeben, es fällt zunehmend schwer, etwas Neues zur Griechenland-Krise zu sagen. Analytisch und schlagzeilenträchtig ist eigentlich alles schon gesagt. Nach Sandkastenkriegen, täglichen Murmeltieren oder griechischen Sagen gehen mir auch so langsam die griffigen Vergleiche aus. Und so schleppen sich die meisten Analysten (und wahrscheinlich auch Politiker und Beamte) heute wie auf dem Zahnfleisch gehende Fußballspieler am Ende der Saison zum nächsten Krisengipfel in Riga. Viel wird wohl nicht passieren, trotzdem hier noch mal ein Versuch zu analysieren, wo wir im Augenblick stehen.

 

Die letzten Tage haben deutlich gemacht, dass der griechischen Regierung das Wasser wohl mittlerweile wirklich bis zum Hals steht. Wer das Geld aus den Kassen von Kommunen und Krankenhäusern zusammenkratzen muss, hat ein Problem. Monatlich müssen wohl knapp zwei Milliarden Euro an öffentlichen Gehältern und Renten gezahlt werden. Hinzu kommen Mitte Mai neue Zahlungen an den IWF und kurzfristige Staatsanleihen. Ich habe große Zweifel, dass Griechenland mit dieser Taktik und ohne fremde Hilfe finanziell bis Ende Juni überlebt.

 

Europa sollte sich also auf einen griechischen Zahlungsausfall in den kommenden zwei Monaten vorbereiten. Wie wahrscheinlich so eine Pleite ist und was die Folgen wären, habe ich zusammen mit meinem guten Brüsseler-Kollegen Peter Vanden Houte in dieser Research Note diese Woche ausführlich analysiert. Ein Blick lohnt sich!

 

Kurz zusammengefasst: ein Zahlungsausfall Griechenlands ist möglich. Neben den inländischen Verpflichtungen muss Griechenland bis Ende Juni mehr als 17 Milliarden Euro an nationale und international Gläubiger zahlen. Ohne fremde Hilfe eigentlich unmöglich. Während manche Analysten meinen, dass Griechenland nach einer Pleite auch in der Eurozone bleiben könnte, sehe ich eine Pleite nur als Zwischenschritt. Entweder, die Pleite ist das allerletzte Wecksignal für die griechische Regierung, um endlich mit glaubwürdigen Reformen zu kommen und sich letztendlich auf ein drittes Rettungsprogramm zu einigen, oder der Grexit ist fast nicht mehr zu verhindern. Den Schlüssel nach einem möglichen Zahlungsausfall halten EZB und Politik in den Händen, denn in welcher Variante auch immer, die griechischen Banken würden durch gezwungene Abschreibungen in große Probleme kommen. Rekapitalisierungen sind unausweichlich. Um die eigenen Banken zu retten, bräuchte Griechenland allerdings Geld, das es nicht hat. EZB und Eurozone könnten dieses Geld bieten, jedoch nur für Gegenleistungen. Es fällt schwer zu glauben, dass die Gläubiger Griechenland helfen, nachdem sie durch einen bewussten Zahlungsausfall vor den Kopf gestoßen wurden.

 

Das ist vielleicht die einzige wirklich gute Nachricht: die Griechenland-Krise nähert sich unwiderruflich dem Ende. Ein Happy End, bei dem alle nach einem kurzen Zahlungsausfall glücklich zusammenleben, gibt es allerdings nicht. Es bleibt dabei: entweder man einigt sich auf einen Kompromiss und ein drittes Rettungsprogramm oder der Grexit kommt erschreckend nahe.

 

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