Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Carsten Brzeskis Blog Alles Gute bringt der Mai

Montag, 11. Mai 2015

Alles Gute bringt der Mai

 

Bahnreisende werden hier sicherlich widersprechen, aber ökonomisch gesehen sollte der Monat Mai in den kommenden Tagen Europa einiges Gutes bringen.

 

Nachdem die Eurozone in den letzten vier Jahren beim Wirtschaftswachstum wenig zu lachen hatte, scheinen den positiven Konjunkturindikatoren jetzt endlich auch positive harte Zahlen zu folgen. Die ersten Wachstumszahlen zum ersten Quartal aus Spanien, Österreich und Belgien legen nahe, dass der Aufschwung in der gesamten Eurozone an Fahrt gewonnen hat. Nach den enttäuschenden Wachstumszahlen aus den USA und dem Vereinigten Königreich hat die Eurozone selbst große Chancen, das erste Quartal als Wachstums-Champion abzuschließen. Balsam für die geschundene europäische Seele.

 

Jetzt zu hoffen, dass sich die europäische Krise über Nacht (und mit Hilfe der EZB) in eine Erfolgsgeschichte gewandelt hat, wäre allerdings naiv. Europa braucht noch viele solcher starken Quartale, bis der Aufschwung auch nachhaltig ist. Erst wenn die Arbeitslosigkeit – vor allem in den südeuropäischen Staaten – wieder stark sinkt, kann man langsam Entwarnung geben. Bis dahin sind es vor allem nationale Entwicklungen, die den Aufschwung gefährden könnten. Der Ausgang der griechischen Saga ist weiterhin alles andere als deutlich. Die ergebnislose Suche nach dem geheimen Plan B der griechischen Regierung scheint mittlerweile dem Entsetzen gewichen zu sein, dass es nicht mal einen Plan A gibt. Die Reformsuche in Frankreich und die Wahlen in Spanien und Portugal im Herbst sind Grund genug, nicht zu überschwänglich zu werden.

 

Freude über das Erreichte, aber nur vorsichtiger Optimismus über die bevorstehenden Aufgaben. Das erklärt, warum ein oder zwei starke Quartale die EZB sicherlich nicht zum abrupten Ende von QE bewegen werden. Letzte Kommentare sowohl von der EZB als auch der amerikanischen Fed haben gezeigt, dass die Notenbanken das billige Geld noch eine Weile fließen lassen werden. Man wird erst eher neue Erklärungen für die Notwendigkeit niedriger Zinsen finden (für die EZB könnte das weniger Nachdruck auf die Deflationsgefahr bedeuten, aber mehr Aufmerksamkeit für die Arbeitslosigkeit), als die niedrigen Zinsen infrage zu stellen.

 

Zwar macht der Mai nicht alles neu, bringt aber doch viel Gutes: Wachstum, niedrige Inflation und billiges Geld. Manch einer könnte fast schon geneigt sein, das wieder mal den Anfang einer Goldglöckchen-Wirtschaft zu nennen. Das wäre aber des Guten dann doch etwas zu viel und selbst nach ein paar Gläsern zu viel Maibowle nicht ernsthaft zu vertreten.

 

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