Autor

Inga Burk
Volkswirtin der ING-DiBa
@IngaBurk

Chart of the Week Punk Rock in Jackson Hole

Freitag, 28. August 2015

Chart of the Week: Punk Rock in Jackson Hole

 

Nachdem sich die Börsen nach dem chinesischen Erdbeben etwas beruhigt haben, sind alle Augen wieder auf die amerikanische Notenbank gerichtet. Dieses Wochenende treffen sich US-amerikanische und internationale Notenbanker zu ihrem jährlichen Treffen in Jackson Hole. Es scheint, als ob in diesem Jahr in den beschaulichen Bergen von Wyoming ein Hauch alter Punk Rock mitschwingt. Denn neben inhaltlichen Debatten und Gesprächen geht es unweigerlich auch um die ganze praktische Frage, ob die Fed nun im September den Leitzins erhöhen wird oder nicht. Nachdem William Dudley, Präsident der New Yorker Zentralbank, sich diese Woche aufgrund der Entwicklungen in China, dem Verfall der Rohstoffpreise und des jüngsten Crashs an den internationalen Finanzmärkten besorgt über die bevorstehende Zinswende gezeigt hatte, sprachen die jüngsten Revisionen des amerikanischen BIP wieder eine andere Sprache. Denn im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft statt der anfänglich geschätzten 2,3 Prozent um 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Erhöhen oder nicht? Should I stay or should I go? Wer hat dieses Entscheidungsdilemma jemals besser in Musik umgesetzt als die Musikgruppe „The Clash“.

 

„If I go there will be trouble“. Eigentlich ist die Fed „datenabhängig“. Entwickelt sich die Wirtschaft gut oder steuert die Arbeitslosenrate auf Vollbeschäftigungsniveau zu, steht einem Zinsanstieg eigentlich nichts mehr im Weg. Doch die Angst der Fed ist im Augenblick, dass eine erste Zinserhöhung die unsicheren Märkte noch weiter nach unten drücken könnte und über Kapitalabflüsse aus Schwellenländern zu weiteren Verwerfungen führen könnte. Anders als vielleicht die EZB hat die Fed nämlich viel Andacht für den Aktienmarkt, so wie unser Chart der Woche zeigt. In der Vergangenheit hat die Fed regelmäßig auf starke Korrekturen am Aktienmarkt reagiert.

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So lässt sich in einigen Fällen ein direkter Zusammenhang zwischen dem Aktienmarkt und einer Zinsänderung erkennen. Zum Beispiel am 19. Oktober 1987, dem „schwarzen Montag“, an dem der S&P 500 im 5-Tagesdurchschnitt gegenüber der vorherigen Woche über 19 Prozent absackte. Bereits drei Tage später senkte die Fed den Zinssatz daraufhin erst um 18,75 Basispunkte und dann in zwei weiteren Schritten insgesamt noch mal um 31,25 Basispunkte. Oder auch im Zuge der Russlandkrise im Jahr 1998 regierte die Fed mit einer Zinssenkung, um ein Überschwappen der schwachen Finanzmärkte auf die Realwirtschaft zu verhindern. In anderen Fällen haben Märkte und Zentralbanker zeitgleich auf externe Faktoren reagiert, so z.B. in Folge des 11. Septembers im Jahr 2001 oder der Lehman-Pleite im Jahr 2008, worauf die Zentralbank mit einer Senkung des Zinses um 50 und 100 Basispunkte reagiert hat.

„And if I stay it will be double“. Das Dilemma der Fed ist allerdings, dass die aktuellen Entwicklungen der inländischen Konjunktur schon länger eine Zinserhöhung rechtfertigen. Der Arbeitsmarkt ist in einer besseren Verfassung als zum Beginn der Finanzkrise und die aktuellen Konjunkturdaten zeigen, dass Ängste vor einer Konjunktureintrübung in den kommenden Monaten voreilig waren. Eine weitere Verzögerung der Zinserhöhung könnte zu einer Überhitzung der Wirtschaft führen. Außerdem sollte die Fed langsam ihr Pulver für schlechtere Zeiten aufbauen, denn die nächste Rezession kommt bestimmt und mit einem Leitzins von Null ist der Handlungsspielraum der Fed ziemlich eingeschränkt.

Seit Lehman und der Weltwirtschafts- und Finanzkrise befindet sich der Leitzins auf seinem historisch niedrigen Niveau und konnte nicht mehr wirklich in Folge von Finanzmarktvolatilitäten nach unten angepasst werden. Obwohl in den letzten Monaten Märkte und Ökonomen immer wieder von einem Zinsanstieg ausgegangen sind, könnte infolge der jüngsten Turbulenzen der Zweifel wieder zuschlagen und der Fed die Möglichkeit geben, den Zinsanstieg noch einmal zu verzögern. Was es wird, wissen wir auch nicht. Wir sind genauso unentschlossen wie The Clash, wissen aber, dass wir spätestens am 17. September eine Antwort auf die letzte Zeile des „Clash-Songs“ bekommen. „So come on and let me know“.

 

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