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Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Gute Vorsätze | 06.01.2017

Freitag, 6. Januar 2017

Jedes Ende bietet die Chance auf etwas Neues. Jeder Neubeginn bietet die Chance, die alten Fehler zu korrigieren und den Blick nach vorne zu richten. Jedes neue Jahr bietet Anlegern an den Finanzmärkten die Chance, die alten Schrecken und Risiken zurückzulassen und sich auf das Positive zu richten.

Die möglichen negativen Risiken für die Weltkonjunktur und die Finanzmärkte sind zur Genüge bekannt. Faktoren, wie ein unberechenbarer US-Präsident Trump, der mit Protektionismus und diplomatischen Fettnäpfchen die ganze Weltwirtschaft in Unruhe bringen könnte; Terror und geopolitische Konflikte, die das Vertrauen von Unternehmen und Verbrauchern schwächen und die Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland, die der Anfang vom Ende des Euros sein könnten, dominieren daher auch die meisten Prognosen. Für einen kurzen Augenblick soll daher jetzt kurz Zeit für mögliche positive Überraschungen sein. Fünf gute Vorsätze, die sich das Jahr 2017 selbst nehmen sollte:

1. Mach das Beste aus Trump. Ein Präsident Trump muss nicht das Ende der Weltwirtschaft sein. Auch wenn es fragwürdig ist, ob Trump die aktuellen Erwartungen der Finanzmärkte wirklich erfüllen kann: Ein Konjunkturprogramm mit neuen Investitionen und einem verschlankten Steuersystem kann sogar in Europa Nachahmer finden und damit endlich den Investitionsstau beseitigen. Nur außenpolitisch muss Trump im Zaum gehalten werden.

2. Lass Europa nicht am Populismus zerbrechen. Die Wahlen in Europa sind nicht das Ende des Euros, sondern der Startschuss für einen Neuanfang. Trotz aller Spekulation werden Wilders, Le Pen oder die AfD keine Regierungsverantwortung erhalten. Zusammen mit einem weiteren Einbruch der britischen Konjunktur während der Brexit-Verhandlungen sollte klar werden, dass Euro-Austritts-Fantasien Fantasien sind und nicht für die Wirklichkeit geeignet sind.

3. Nimm die Wahlen in Europa als Chance, nicht als Gefahr. Die frisch gewählten Regierungen in den Euro-Kernländern sollten die Sorgen der Bürger ernst nehmen und zunehmende Einkommensunterschiede mit einem wachstumsorientierten Kurs, der weitere Integration der Eurozone beinhaltet, beantworten.

4. Der höhere Ölpreis ist ein Segen, kein Fluch. Der leicht gestiegene Ölpreis lässt die Nachfrage aus ölexportierenden Ländern nach deutschen Gütern wieder zulegen. Negative Folgen für den Konsum sind vernachlässigbar. Die amerikanische Frackingindustrie, die die Fördermenge sehr schnell an Preisveränderungen anpassen kann, sorgt dafür, dass der Ölpreis nicht zu stark steigt.

5. Läute die stille geldpolitische Wende ein. Bei zwei Leitzinserhöhungen der Fed und dem Einstieg der EZB in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik in der zweiten Jahreshälfte können die Kapitalmarktzinsen zwar etwas steigen, historisch betrachtet aber weiterhin sehr niedrig bleiben. Das Jahr 2017 könnte damit das Jahr des stillen geldpolitischen Umbruchs werden. Die Reaktion der Märkte darauf ist schwer einzuschätzen, da der Umbruch bei der EZB mit der Erkenntnis zusammenfallen könnte, dass einerseits Präsident Trump doch nicht alle Wahlversprechen halten konnte, andererseits aber die politischen Risiken in der Eurozone verschwunden sind.

Wenn das Jahr 2017 sich an die meisten dieser guten Vorsätze hält, muss das neue Jahr nicht Angst und Schrecken verbreiten, sondern könnte das Jahr des wirtschaftspolitischen und geldpolitischen Umbruchs werden. Leider wissen wir alle, dass es mit der Umsetzung der guten Vorsätze häufiger hapert.

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