Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Zeit, den Binnen-Tourismus anzukurbeln | 30.11.2018

Freitag, 30. November 2018

Nachdem die Inflation in Deutschland im Oktober auf den höchsten Wert seit 10 Jahren geklettert ist, ist sie im November nach einer ersten Schätzung wieder leicht gefallen. Gegenüber dem Vorjahr steht die Inflation derzeit bei 2,3% und hat somit das siebte Mal in Folge die Zielmarke für die Preisstabilität der Europäischen Zentralbank (EZB) von unter, aber nahe 2% gerissen.

Während sich die Ausgaben für Nahrungsmittel oder die Wohnungsmiete leicht vergünstigten, mussten Verbraucher dagegen tiefer in die Tasche greifen, wenn es um Energie ging – und das trotz des jüngsten Falls der Rohölpreise. Aufgrund des heißen Sommers und des niedrigen Wasserstands in Binnengewässern haben sich die Benzin- und Heizölpreise verteuert, sodass sich Konsumenten entgegen des derzeitigen Ölpreisverfalls nur über eine etwas niedrigere Inflationsentwicklung freuen können.

Inflationsraten in Bundesländern im bisherigen Jahresmittel (Gewichtung zum Gesamtindex in Klammern, %)


Doch nicht in jedem Bundesland muss dabei gleich tief in die Tasche gegriffen werden, wie unser Chart der Woche zeigt.* Im bisherigen Jahresmittel haben vor allem Verbraucher in Bayern, Baden-Württemberg und Berlin eine Inflationsrate von über 2% gegenüber dem Vorjahr gesehen, wohingegen Verbraucherpreise in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt weniger stark gestiegen sind. Dass Bewohner in Bayern aufgrund eines Inflationsunterschiedes von 0,6%-Punkten jetzt jedoch direkt nach Sachsen-Anhalt ziehen werden, stellen wir mal in Frage. 

Bisher befindet sich die deutsche Inflationsrate ziemlich genau dort, wo sich die EZB die Inflationsraten der Mitgliedsstaaten der Eurozone wünscht. Für die Berechnung der gesamtdeutschen Verbraucherpreise werden die bevölkerungsreichsten Bundesländer am stärksten gewichtet  – Nordrhein-Westfalens Anteil am der deutschen Inflationsrate liegt bei 22,8%, das Saarland wird dagegen mit 1,6% am schwächsten gewichtet. Doch immer noch sind es vor allem die Energiepreise, welche die Inflation beeinflussen – und das von Bayern über Nordrhein-Westfalen bis Sachsen-Anhalt. Der Job der EZB, eine neue Richtung in der Geldpolitik einzuschlagen, wird dadurch nicht einfacher – die Unterschiede in den Inflationsraten der Bundesländer sind aber doch vielleicht mal ein Grund, den Binnen-Tourismus anzukurbeln. Wenn man schon nicht bei den Energiepreisen sparen kann, so lohnt sich ja vielleicht der Weg ins benachbarte Bundesland für eine günstigere Bratwurst oder einen Glühwein. 

Und wenn Sie einmal wissen möchten, wie sich bei Ihnen die monatlichen Preise für Ihre Ausgaben entwickeln, dann benutzen Sie doch einfach mal den persönlichen Inflationsrechner des Statistischen Bundesamts

 *Schleswig-Holstein und Hamburg veröffentlichen keine eigenen Verbraucherpreisindizes. Jahresmittel für Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Baden-Württemberg Januar bis Oktober 2018.

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