Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Ein turbulentes Jahr geht zu Ende. Unser Jahresrückblick auf 2018 | 14.12.2018

Freitag, 14. Dezember 2018

Das alte Jahr ist fast vorbei und neben Weihnachtsliedern, Glühwein und letzten Festvorbereitungen gesellen sich bereits die Ausblicke auf 2019. Da ist es doch an der Zeit, das Jahr 2018 zum Jahresende noch einmal zu rekapitulieren.

Während das Wirtschaftswachstum schwächer ausgefallen sein dürfte, als noch zu Jahresbeginn erwartet, fiel das Jahr 2018 dafür umso spektakulärer aus. „Dunkle Wolken am Horizont“ – so lautete der Titel eines unserer Blogbeiträge aus dem Januar. Und tatsächlich haben sich diese Wolken zusammengebraut und ein Stück weit die rosigen Konjunkturaussichten verdunkelt. Auch an den Aktienmärkten hat sich die positive Stimmung zu Beginn des Jahres umgedreht, wie unser Chart der Woche zeigt. Vor allem sind die Abstände zwischen den einzelnen Märkten deutlich größer geworden, verliefen sie doch bis zum ersten Quartal des Jahres in relativem Gleichklang. Doch die Spannungen rund um die USA mit Trump, China, Nordkorea, den Iran, und Russland haben zugenommen, Handelsabkommen wurden aufgekündigt und die Risse des Zusammenhalts der EU sind immer noch präsent, während die Zukunft des 28. Mitglieds nach wie vor ungewiss ist.

Zumindest haben die Zentralbanken für keine größeren Überraschungen gesorgt – sofern die US-amerikanische Zentralbank nächste Woche das vierte Mal in diesem Jahr den Leitzins anhebt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat gestern schon das zum Jahresende erwartete Ende des QE-Programms verkündet. 

Performance der Aktienmärkte im Jahr 2018


Wer angesichts der Geschehnisse in diesem Jahr denkt, dass nächstes Jahr Langeweile aufkommt, ist weit gefehlt. Auch im nächsten Jahr werden sich die Ereignisse dieses Jahres fortsetzen. Die Brexit-Frage ist nach wie vor ungeklärt, geopolitische Spannung halten an und auch der Handelsstreit seitens der USA könnte sich fortsetzen – nicht nur mit China, es drohen auch nach wie vor Autozölle gegen die EU. Außerdem könnte der Rückgang der Wirtschaftsdynamik den Zentralbanken die geldpolitische Straffung verhageln. Zudem steht eine Belastungsprobe für die Demokratie an – im Mai findet die Wahl zum Europäischen Parlament statt. Mit Spannungen in Frankreich, Italien oder Belgien, aber auch mit anstehenden Wahlen in Griechenland im Herbst nächsten Jahres wird es an der Europa-Front genug Diskussionsbedarf geben.

Dieses Jahr haben sich die Wolken stärker zusammengezogen. Geregnet oder gar gehagelt hat es jedoch nicht. Und auch im nächsten Jahr werden sich die dunklen Wolken nicht verziehen – aber ebenso wird es auch hier immer wieder Lichtblicke geben. Welche Lichtblicke das sind und welche Gründe es sonst noch gibt, um (mindestens gemäßigt) positiv auf das Jahr 2019 zu schauen, beleuchtet unser Chefvolkswirt in seinem Jahresausblick „Alles beim Alten?“.


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