Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Sind Investitionen immer noch das ganz große Ding? | 11.01.2019

Freitag, 11. Januar 2019

Das neue Jahr ist erst ein paar Tage alt, aber an den Märkten ging es in den wenigen Tagen schon äußerst turbulent zu. Ob eine abflauende Wirtschaft in China, politische Schlagzeilen aus den USA oder anhaltend niedrige Inflationsraten; die Ereignisse des letzten Jahres sind zu Jahresbeginn nicht auf wundersame Weise verschwunden. Immerhin ist im italienischen Haushaltsstreit etwas Ruhe eingekehrt und auch zwischen den USA und China scheint es eine Annäherung im Handelsstreit zu geben. Doch die Märkte bleiben nervös und legen einen volatilen Jahresauftakt hin.

Nicht nur in Übersee ebben negative Schlagzeilen nicht ab, auch in Deutschland geht eine Woche vor Veröffentlichung der Quartalsschätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) die Angst vor der Rezession um. Kürzlich veröffentlichte Daten zur Industrieproduktion und zu Exporten scheinen jeden kleinen Hoffnungsschimmer ersticken zu wollen. Neben dem privaten und öffentlichen Konsum bleiben da aktuell nur noch Investitionen, die zur Rettung der Wirtschaft herbeieilen könnten. Doch angesichts der negativen Marktstimmung stellt sich die Frage: Sind Investitionen immer noch das ganz große Ding in diesem Jahr? Oder drückt der Aktienkurs die Investitionslust?

Investitionen und Aktienmarkt


Gerade in der kurzen Frist schwankt die Gemütslage an den Aktienmärkten mitunter heftig und resultiert in überzogenem Optimismus oder Pessimismus, der mit der wirtschaftlichen Wirklichkeit nicht immer übereinstimmt. Die Frage für die Weltwirtschaft ist daher, ob die Korrektur an den Aktienmärkten „nur“ eine Abkühlung der Konjunktur widerspiegelt oder ihr sogar vorausläuft. Ein wichtiger Kanal wären dabei Investitionen. Unsere Frage der Woche ist daher: „Haben Entwicklungen an den Aktienmärkten Folgen für realwirtschaftliche Investitionen?“

Wie unser Chart der Woche zeigt, scheint es einen gewissen Gleichlauf zwischen privaten Investitionen und der Entwicklung am Aktienmarkt zu geben. Die Aktienmarktentwicklung ist für Unternehmen insofern wichtig, spiegelt sie doch das Vertrauen wider, das dem Unternehmen entgegengebracht wird, und stärkt oder schwächt somit die Unternehmensposition. Zudem erleichtert ein hoher Aktienkurs dem Unternehmen eine Kapitalerhöhung, über welche Investitionen geplant sind, weswegen ein hoher Aktienkurs durchaus die Investitionstätigkeit erhöhen kann.

In den USA scheint der Zusammenhang zwischen Aktienmarkt und Investitionen jedoch stärker ausgeprägt zu sein als in Deutschland. Gab es hierzulande bis kurz nach der Finanz- und Eurokrise einen relativ homogenen Verlauf, so ist dieser in den letzten Jahren doch stärker auseinander gelaufen. Anders dagegen in den USA – hier scheint sich die Aktienmarktentwicklung stärker bei Investitionen bemerkbar zu machen.

Sollte die negative Stimmung am Aktienmarkt in einer selbsterfüllenden Prophezeiung enden, könnte sie somit auch auf den Investitionsentscheidungen lasten. Gerade in den USA verebbt der positive Stimulus, den die Steuerentlastung den Unternehmen gebracht hat, zudem schlagen langsam die aufgrund der Zinserhöhungen wieder anziehenden Finanzierungsbedingungen durch.

In Deutschland dürfte der Spielraum für Investitionen angesichts der immer noch hohen Kapazitätsauslastung eher zu- als abnehmen. Die Angabe deutscher Unternehmen, dass ein Mangel an Ausrüstungen der derzeitig vorrangig limitierende Produktionsfaktor sei, sollte die Investitionstätigkeit zudem auch weiterhin beflügeln. Auch das nach wie vor niedrige Zinsumfeld sollte sich auch weiterhin positiv auf Unternehmensinvestitionen auswirken.

Ob sich die momentanen Börsenschwankungen dieses Mal auf die Investitionstätigkeit auswirken? Zumindest in den USA könnten sie mehr Schaden anrichten als in Deutschland. So haben Investitionen neben privatem und öffentlichem Konsum also durchaus noch das Potenzial, das nächste ganz große Ding für die deutsche Konjunktur in diesem Jahr zu sein.

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