Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Hey, hey hey Boss – ich brauch’ mehr Geld! | 08.02.2019

Freitag, 8. Februar 2019

Über eine Gehaltserhöhung würde sich wohl jeder freuen – aber rund jeder zehnte Deutsche wüsste gar nicht, was er damit machen sollte. Das zeigte sich im Rahmen einer repräsentativen ING-Umfrage. Dabei stellten wir unter anderem die Frage, wie die Umfrageteilnehmer eine Einkommenssteigerung um 10 Prozent hauptsächlich verwenden würden.

Wie unser Chart der Woche zeigt, gehört zu den meistgewählten Antworten mit rund 18 Prozent das Bestreiten notwendiger Ausgaben wie Miete oder Lebensmittel. In den jüngeren Altersgruppen gibt das sogar ein Viertel der Befragten an. Da stellt sich die Frage: Wer eine hypothetische Gehaltserhöhung für „notwendige“ Ausgaben verwenden würde – wovon bestreitet der diese Ausgaben aktuell? Ebenfalls 18 Prozent geben an, dass sie die zusätzlichen Einkünfte auf einem separaten Konto sparen würden; weitere 10 Prozent würden das Geld einfach auf dem Konto belassen, auf dem es eingeht.

Zwischen Männern und Frauen zeigen sich eher geringe Unterschiede, die vor allem eine schon aus früheren Studien bekannte Erkenntnis bestätigen: Das Finanzverhalten von Frauen ist stärker auf Vermögenserhalt ausgerichtet als das von Männern. So würden Frauen eher sparen und Männer eher investieren – mit der Chance auf höhere Erträge, aber auch dem Risiko von Verlusten. Und während Männer eher geneigt sind, den zusätzlichen Geldsegen in Form nicht notwendiger Ausgaben zu verkonsumieren, liegt bei den Frauen der Anteil, der bestehende Schulden reduzieren würde, etwas höher. Das würden übrigens auch 19 Prozent der Wohneigentümer tun, verglichen mit nur 11 Prozent der Mieter – abbezahlt würde dabei vermutlich die Finanzierung der eigenen Immobilie.

„Stellen Sie sich vor, sie erhalten eine dauerhafte Gehaltserhöhung von 10 Prozent. Wie würden Sie das zusätzliche Geld verwenden?“


Stärker ausgeprägt sind hingegen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Ein Umzug käme mit zunehmendem Alter immer weniger in Frage – und von notwendigen Ausgaben, die ja idealerweise ohnehin schon mit dem bisherigen Einkommen abgedeckt sein sollten, verschiebt sich der Fokus darauf, sich auch mal etwas zu gönnen. Wer aber gedacht hätte, vor allem ältere Befragte würden von dem zusätzlichen Geld beispielsweise ihren Kindern oder Enkeln Unterstützung zukommen lassen, auf den wartet womöglich eine Enttäuschung.

Gerade mal ein halbes Prozent der ab 45-Jährigen würde die fiktive Gehaltserhöhung hauptsächlich spenden oder verschenken – und das, obwohl mit dem Alter auch der Anteil derjenigen zunimmt, die gar nicht wissen, was sie mit dem zusätzlichen Einkommen anstellen sollen. Auch insgesamt zeigen sich zwar nur wenige Befragte spendabel, in der jüngsten Altersgruppe bis 24 Jahre aber immerhin dreimal so viele wie im Durchschnitt. Hoffnung für eine menschenfreundliche Zukunft – oder einfach nur der Idealismus der Jugend?

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