Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Ein weiteres Stück digitaler Zukunft | 22.03.2019

Freitag, 22. März 2019

Neben dem nicht enden wollenden Brexit-Chaos geht es seit dieser Woche um nichts Geringeres als die digitale Zukunft Deutschlands. Auch wenn manch einer noch Probleme hat, die digitale Gegenwart zu sehen. In Mainz wird ein Stück Neuland versteigert. Dieses Mal geht es um 5G-Frequenzen zum Ausbau des Mobilfunknetzes. Zwar verfügen diese nur über eine geringe Reichweite, haben jedoch eine hohe Kapazität, so dass beispielsweise an stark besuchten Plätzen eine stabile Mobilfunkverbindung gewährleistet wird und hohe Datenmengen, wie sie z.B. beim autonomen Fahren entstehen, schnell übermittelt werden können.

Vier Unternehmen wurden zum Bieterverfahren zugelassen, das sich noch über mehrere Tage  hinziehen dürfte. Insgesamt werden 41 Frequenzblöcke in den Bereichen 2 GHz und 3,4 bis 3,7 GHz versteigert,  es gibt mehrere Bieterrunden und jede Auktionsrunde dauert eine Stunde. Dabei gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen, um illegale Absprachen zwischen den Mobilfunkanbietern zu verhindern. Nach den ersten Tagen sind bereits über 570 Millionen Euro zusammen gekommen, Geld, das der Staatskasse zugutekommt. Bei der Versteigerung von UMTS-Lizenzen im Jahr 2000 kamen gut 50 Milliarden Euro zusammen (99 Milliarden Deutsche Mark), bei den LTE-Frequenzauktionen (4G) 2010 und 2015 zusammen rund 10 Milliarden Euro. Auch dieses Mal wird mit einem Erlös im einstelligen Milliardenbereich gerechnet.  

Vor vier Jahren wurden Frequenzen für mobiles Breitband versteigert, um Funklöcher im mobilen Datennetz zu stopfen und ländliche Regionen an schnelles Internet anzuschließen. Bei dieser Versteigerung galt es, die digitale Agenda zu erfüllen, d.h. bis 2018 über eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s zu verfügen. Doch es gibt immer noch zahlreiche Regionen, in denen nur 50-75% der Haushalte über eine entsprechend schnelle Versorgung verfügen, wie aus dem Breitbandatlas hervorgeht (Stand September 2018). Ziel verfehlt. 

Jetzt soll also der Ausbau des Mobilfunknetzes vorangetrieben werden, um einen „Schritt in die digitale Zukunft“ zu ermöglichen. Dass das wichtig ist, zeigt unser Chart der Woche. Denn gerade bei der digitalen Infrastruktur gibt es immer noch große Baustellen.

Deutschland belegt im Konnektivitäts-Ranking einen Platz im Mittelfeld (Index)

Quelle: DESI, EU Kommission

Im Unterindex „Konnektivität“ des Index für digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) der Europäischen Kommission liegt Deutschland nach wie vor nur im Mittelfeld. Gemessen und verglichen werden die Versorgung und Nutzung von Festnetzbreitband, Mobilfunkbreitband, die Geschwindigkeit und Preise. Zwar lassen sich langsame Fortschritte verzeichnen, andere Länder kommen beim Ausbau ihrer Infrastruktur jedoch schneller voran. Gerade die digitale Kluft zwischen Stadt und Land ist nach wie vor ein großes Problem in Deutschland. Auch das ist ein Grund, warum es zwischen Bundesländern immer noch große wirtschaftliche Differenzen gibt.

Zugegebenermaßen: Deutschland ist innovativ, Platzierungen im oberen Bereich bei Länder-Rankings haben ihre Berechtigung. Aber gerade wenn es um die digitale Infrastruktur geht, hinken wir noch immer zu sehr hinterher. Die Versteigerung der 5G-Frequenzen ist daher ein wichtiger Schritt Richtung digitale Infrastruktur, auch wenn sie nicht von heute auf morgen die nach wie vor viel zu zahlreichen Funklöcher und die digitale Stadt-Land-Kluft stopfen wird. 

Und die Versteigerung ist nicht nur monetär für den Staat von Vorteil. Gehen die Unternehmen erfolgreich aus dem Bieterverfahren hervor, so folgen Auflagen: Bis Ende 2022 sollen 98% der Haushalte je Bundesland, sowie alle Bundesautobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen und Schienenwege mit mindestens 100 Mbit/s versorgt werden. Zwei Jahre später sollen dann alle übrigen Straßen inklusive Seehäfen und Wasserstraßen mit mindestens 50 Mbit/s folgen. Vielleicht hört man dann in fünf Jahren nicht mehr bei jedem Hügel auf der Autobahn oder beim Anblick eines Tunnels im Zug das typische „Bist du noch dran?“.

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