Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Bauchgefühl | 23.08.2019

Freitag, 23. August 2019

Nicht immer deckt sich bei Verbrauchern das subjektive Gefühl mit objektiv gemessenen Daten. Im Falle des Immobilienmarktes und der öffentlichen und medialen Diskussion um Preise und Mieten können Europas Verbraucher aber ihrem Bauchgefühl vertrauen. Gefühlt teuer ist auch gemessen teuer und der Unmut über die Wohnungspolitik ist dort am größten, wo am wenigsten gebaut wird.

Die Beratungsfirma Deloitte untersuchte in ihrem „Property Index“ verschiedene Aspekte des Immobilienmarktes in europäischen Ländern und Städten, beispielsweise die Entwicklung des Preisniveaus oder die Bautätigkeit. Beim Vergleich der Studienergebnisse mit den Resultaten der repräsentativen Verbraucherumfrage „ING International Survey“ zeigen sich einige interessante Zusammenhänge zwischen objektiven Daten und subjektiven Wahrnehmungen der Verbraucher.

Bautätigkeit und Unzufriedenheit mit der Wohnungspolitik


Quelle: Deloitte Property Index, ING Economic & Financial Analysis

Wird wenig gebaut, sind Verbraucher unzufrieden mit der Wohnungspolitik. Vor allem die Spanier stellen ihren Politikern ein schlechtes Zeugnis in Immobilienfragen aus; über zwei Drittel sehen ihr Land auf dem falschen Weg in der Wohnungspolitik – was damit zusammenhängen könnte, dass dort im letzten Jahr nur 1,53 neue Wohneinheiten je 1.000 Einwohner fertiggestellt wurden.

„Überfüllt“ finden ihren Immobilienmarkt vor allem Niederländer, Briten und Polen. Polen und Großbritannien sind auch die Länder mit dem geringsten Wohnungsbestand je 1.000 Einwohner.

Bei der Bewertung des Immobilienmarktes schauen Verbraucher nicht auf den internationalen Vergleich, sondern auf den eigenen Geldbeutel. Das Preisniveau wird dann als teuer empfunden, wenn für die Anschaffung einer Immobilie eine hohe Anzahl an Jahresgehältern fällig wird. Das ist vor allem in Tschechien, Polen und Großbritannien der Fall.

In Deutschland sind Immobilien – ungeachtet lokaler Preisübertreibungen – insgesamt als erschwinglich zu betrachten. Im Schnitt sind es rund fünf Brutto-Jahresgehälter, die die von Deloitte beispielhaft betrachtete 70-qm-Wohnung hierzulande kostet – ein Wert im unteren Mittelfeld.

Zum Download: unsere Analyse „Bauchgefühl“

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