Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Mehr Geld? Lieber erstmal abwarten... | 01.11.2019

Freitag, 1. November 2019

War es das erst einmal? Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 hat die deutsche Wirtschaft noch bis zum letzten Jahr eine beeindruckende Wachstumsgeschichte geschrieben. Doch eine „technische Rezession“ mit einer in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpfenden Wirtschaftsleistung wird nun immer wahrscheinlicher. Auch wenn die aktuellen Wachstumszahlen zum dritten Quartal 2019 für die gesamte Eurozone wieder etwas besser aussehen als zuletzt, dürften die demnächst zur Veröffentlichung anstehenden deutschen Zahlen wohl eher darauf hindeuten, dass das trotz – und nicht wegen – Deutschland der Fall ist.

Eine wichtige Konjunkturstütze war in jüngerer Zeit der inländische Konsum. Während die Ausgaben der Verbraucher im exportorientierten Deutschland früher meist eine nachgeordnete Rolle spielten, haben ihre Einkäufe und Anschaffungen maßgeblich zum starken Wirtschaftswachstum der letzten Jahre beigetragen und mildern auch derzeit die schwache Entwicklung etwas ab. Auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist derzeit noch recht komfortabel, hat sich aber bislang noch nicht in deutlichen Lohnsteigerungen ausgedrückt. Falls das noch passieren sollte – würden höhere Löhne Konsum und Konjunktur befeuern? Kann sich die deutsche Wirtschaft wie einst Münchhausen am eigenen Zopf des Konsums aus dem Sumpf ziehen? Oder wird sich die Wachstumsschwäche verfestigen und werden dann auch die Verbraucher ihre Portemonnaies zuklappen?

„Stellen Sie sich vor, Sie erhalten eine dauerhafte Gehaltserhöhung von 10 Prozent. Wie würden Sie das zusätzliche Geld verwenden?“

Quelle: ING International Survey

Anlass zum Optimismus geben die jüngsten Zahlen zu den deutschen Einzelhandelsumsätzen. Ein Anstieg von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat war im September zu verzeichnen. Diese Daten sind allerdings sehr volatil – und auch das Ergebnis einer ING-Umfrage zeichnet ein etwas weniger rosiges Bild. Wie bereits ein Jahr zuvor wurden deutsche Verbraucher danach befragt, wie sie mit einer dauerhaften Gehaltserhöhung von 10 Prozent umgehen würden.

Während im Vorjahr noch 40 Prozent der Deutschen ihren hypothetischen Einkommenszuwachs größtenteils ausgegeben hätten – beispielsweise für Lebensmittel oder Urlaubsreisen – oder sich einen Umzug in größere oder besser gelegene vier Wände gegönnt hätten, ist dieser Wert im Jahre 2019 auf 32 Prozent geschrumpft. Und statt 28 würden nun 34 Prozent den Geldsegen auf ihrem Gehalts- oder einem separaten Konto sparen.

Offenbar haben die schwachen Wachstumszahlen auch das Bewusstsein der Verbraucher erreicht, so dass diese nun vorsichtiger agieren. Es bleibt abzuwarten, inwieweit der Konsum auch zukünftig die Konjunktur zu stützen vermag – selbst wenn die Löhne doch noch deutlich steigen sollten.

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