Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Auch 2020 wird konjunkturell kein Zuckerschlecken | 08.11.2019

Freitag, 8. November 2019

Auch wenn der November eher mit nasskaltem Regenwetter besticht, spiegelt sich in den Kursentwicklungen der letzten Tage vielmehr eine goldene Herbststimmung wider. An den Aktienmärkten geht es ordentlich bergauf und Renditen klettern nach oben, sichere Häfen sind vorerst nicht gefragt. Auch die Konjunkturdaten der letzten Tage sind besser ausgefallen als erwartet. Also alles wieder im Lot an der Wirtschaftsfront?

Vor allem die Hoffnung auf einen „Mini“-Handelsdeal zwischen den USA und China als auch positivere Nachrichten seitens der USA in Richtung Europa beflügeln derzeit den Marktoptimismus. Doch oft wurde die Hoffnung in den letzten Monaten wieder enttäuscht. Und dieser etwaige Deal löst noch nicht die härteren Verhandlungshürden wie die von den USA gewünschten Änderungen an Chinas Wechselkurspolitik oder den Schutz ausländischen geistigen Eigentums.

Auch wenn sich ein Licht am Horizont des über zwei Jahre andauernden Handelskonflikts abzeichnet, könnte die globale Konjunkturschwäche dennoch anhalten. Denn die omnipräsente Unsicherheit und die Handelsbarrieren haben zur Aufschiebung von Unternehmensinvestitionen geführt. Zudem belasten strukturelle Verschiebungen wie die Herausforderungen im Automobilsektor, der Strukturwandel der chinesischen Wirtschaft, oder aber auch das Auslaufen expansiver Zyklusphasen. Das heißt, dass auch 2020 wirtschaftlich gesehen kein pralles Jahr für die Eurozone werden dürfte.

Prognose des BIP-Wachstums im Herbst und im Sommer 2019 (in Prozent, Veränderung in Prozentpunkten)

Quelle: Europäische Kommission, Herbstgutachten. *Japan, USA, China: Vergleich ggü. Frühlingsprognose


Diese Faktoren spiegeln sich im Herbstgutachten der Europäischen Kommission wider, welche die Prognose für 2020 für fast alle Eurozonen-Länder gegenüber dem Gutachten im Sommer nach unten revidiert hat. Lediglich Griechenland und Irland stechen positiv hervor, während es bei Zypern, Litauen, Luxemburg und Portugal keine Veränderung gibt. Deutschland steht mit einer Rücknahme der Prognose um 0,4 Prozentpunkte ganz vorne mit auf der Liste der Länder, bei denen eine deutliche Revision ihrer Zahlen vorgenommen wurde, wie unser Chart der Woche zeigt. Die Exportorientierung und die Bedeutung des Automobilsektors machen Deutschland mehr zu schaffen als anderen europäischen Mitgliedsstaaten.

Doch nicht nur in der Eurozone wird sich auch noch nächstes Jahr die globale Konjunkturabschwächung bemerkbar machen – auch in Japan, China oder den USA dürfte das Wachstum schwächer ausfallen als noch im Sommer dieses Jahres von der Kommission erwartet. Derzeitigem Handelsoptimismus zum Trotz haben die Streitigkeiten der letzten zwei Jahre tiefgreifendere Spuren in der globalen Wirtschaft hinterlassen. Die Erholung wird daher noch auf sich warten lassen.

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