Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Worte und Taten | 29.11.2019

Freitag, 29. November 2019

Ökologische Nachhaltigkeit geht auf Kosten des Wirtschaftswachstums – oder umgekehrt, so zumindest die traditionelle Sichtweise. Wenn sie sich zwischen beidem entscheiden müssten, würden Verbraucher in Deutschland und Europa mit deutlicher Mehrheit den Umweltschutz wählen: Das ist zumindest eines der Ergebnisse einer ING-Umfrage in 13 europäischen Ländern sowie Australien und den USA. Ein Vorrang des Umweltschutzes auch auf Kosten des Wirtschaftswachstums erhielt dabei in allen Ländern der Umfrage höhere Zustimmungsraten als die gegenteilige Aussage. 

Bei Fragen zum alltäglichen Konsumverhalten zeigte sich allerdings, dass die Verbraucher dieses Umweltbewusstsein keineswegs immer an den Tag legen. Wie unser Chart der Woche zeigt, ist beispielsweise die Umweltbelastung bei der Herstellung eines Produkts nur bei rund einem Viertel der europäischen und einem Drittel der deutschen Verbraucher unter den drei wichtigsten Kriterien bei der Kaufentscheidung für ein langfristig genutztes Konsumgut.

Nennung der drei wichtigsten Eigenschaften beim Kauf eines langfristig genutzten Gegenstands



Quelle: ING International Survey

Haltbarkeit und Preis liegen mit jeweils über 80 Prozent unangefochten an der Spitze, wenn es um Sofa oder Waschmaschine geht. Auch ein unkomplizierter Kaufvorgang kommt mit über 40 Prozent noch deutlich vor dem ökologischen Gewissen. Keinen großen Wert legen Verbraucher hingegen darauf, stets das neueste Modell zu kaufen – obwohl sich das beispielsweise in Sachen Energieeffizienz positiv in der Umweltbilanz auswirken könnte. 

In ganz Europa geben Verbraucher an, der Umwelt die größere Priorität gegenüber der Wirtschaft einräumen zu wollen. Kommt es dann jedoch zum alltäglichen Konsumverhalten, spielt dieser Vorsatz in vielen Fällen keine übergeordnete Rolle mehr. Vermutlich ist „Wirtschaftswachstum“ für den durchschnittlichen Konsumenten eine zu abstrakte und schwer fassbare Größe – da fällt es nicht schwer, sich nachhaltig zu geben. Wird es dann konkret, bleibt von den guten Vorsätzen oft nicht mehr ganz so viel übrig.



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