Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Kein Abkühlen der Baupreise zu erwarten

Montag, 13. Dezember 2021

Die Baupreise sind im dritten Quartal 2021 so stark angestiegen wie seit dem vierten Quartal des Jahres 1970 nicht mehr. Anhaltende Lieferkettenstörungen und Materialknappheiten belasten nicht nur die Produktion, sondern auch das Baugewerbe. Und auch in naher Zukunft ist nicht damit zu rechnen, dass die Baupreise abkühlen – im Gegenteil, sie dürften in Zukunft sogar strukturell höher liegen.

Die Baukosten, die sich vor allem aus den Material- sowie den Arbeitskosten zusammensetzen, sind ein wichtiger Treiber der Kosten für Bauleistungen insgesamt. Ein Anstieg der Baukosten führt, unter sonst gleichen Bedingungen, zu einem Anstieg der Preise für Bauleistungen, was im Umkehrschluss die Wohnimmobilienpreise befeuert. Da insbesondere Bauholz aufgrund der hohen Nachfrage in diesem Jahr knapp war, überrascht es wenig, dass die Kosten für Zimmer- und Holzarbeiten zuletzt besonders stark angezogen haben. Im dritten Quartal dieses Jahres lagen sie knapp 47 Prozent oberhalb des Vorjahreszeitraums. Insgesamt stiegen die Kosten für Bauleistungen an Wohnimmobilien im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 12,6 Prozent – der stärkste Anstieg der Baupreise seit dem vierten Quartal 1970. Um den Basiseffekt der gesenkten Mehrwertsteuersenkung bereinigt betrug der Anstieg nach wie vor 9,7 Prozent.

Die reinen Baukosten, die im Vergleich zu den Bauleistungen weder Gewinnmargen der Unternehmen noch Veränderungen in der Produktivität beinhalten und somit die reine Veränderung der Inputpreise anzeigen, verdeutlichen, dass die Preisrallye am Wohnimmobilienmarkt einen neuen Treiber gefunden hat. Die Materialkosten stiegen im zweiten Quartal um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, der stärkste Preisanstieg seit dem zweiten Quartal 2007. Insgesamt stiegen die Baukosten im zweiten Quartal 2021 um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unser Chart of the Week zeigt, warum die Baupreise in absehbarer Zeit vermutlich nicht fallen werden.

Materialmangel als limitierender Faktor für die Produktion und Baupreiserwartungen

Quelle: Refinitiv

Denn die Störungen in den Lieferketten dauern an und wichtige Materialien bleiben somit weiterhin Mangelware. Im November berichteten immer noch rund 33 Prozent aller Bauunternehmen, dass der anhaltende Materialmangel die Produktionsmöglichkeiten limitiert. Zwar scheint sich die Lage langsam etwas zu entspannen, denn seit im Juni das Allzeithoch von rund 45 Prozent erreicht wurde, geht die Anzahl derer, die von einer Belastung durch Materialmangel berichten, langsam zurück. Doch mit 32,5 Prozent liegt der Wert aktuell nach wie vor deutlich oberhalb des Durchschnitts der letzten 30 Jahre, der gerade einmal bei 2 Prozent liegt. Und die aus dem Mangel resultierenden höheren Materialpreise werden nicht nur an die Bauunternehmen weitergegeben, sondern von diesen wiederum an die Kunden. Die Baupreiserwartungen liegen mit 43,7 Prozent momentan auf einem Allzeithoch.

Dass zuletzt auch die Gaspreise einen starken Anstieg erfahren haben, dürfte diese Entwicklung noch verstärken. Insbesondere die Produktion von Ziegeln, Zement und Beton sowie von Grundstoffen ist stark auf Erdgas angewiesen. Pro eine Million erwirtschafteten Euros wurden im Jahr 2018 8,3 bzw. 7,2 Terajoule Erdgas eingesetzt. Zum Vergleich: im herstellenden Gewerbe waren es 2,2 Terajoule.

Doch auch nach dem Abklingen der verschiedenen Knappheiten könnten die Baukosten weiterhin höher liegen. Neben den bereits angeführten Faktoren dürfte sich der Kampf gegen den Klimawandel, für den die Energiewende auch im Wohnbereich entscheidend ist, als struktureller Preistreiber herausstellen. Denn aufgrund der Umstellung in der Produktion dürfte es zunächst zu Produktivitätsverlusten kommen, welche die Preise für Materialien steigen lassen dürften. Für die Bauunternehmen bedeutet dies eine erneute Runde an Materialkostensteigerung, die an die Kunden weitergegeben werden könnte.

Zum Download unserer Studie „Neue Preistreiber am Wohnimmobilienmarkt“

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