Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Burn, baby, burn? Vielleicht nicht mehr lange…

Freitag, 20. Mai 2022

Mit einer interessanten Information konnte dieser Tage das Statistische Bundesamt aufwarten: Im Jahr 2021 stieg in Deutschland die Produktion rein elektrisch betriebener Pkw auf einen neuen Höchstwert von rund 328.000 Stück, fast eine Verdoppelung der Vorjahresproduktion von 176.400. Zwar machen den Löwenanteil am Ausstoß der deutschen Automobilindustrie noch immer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor aus, deren Anzahl nimmt jedoch weiterhin ab – von 2,8 Millionen im Vorjahr auf 2,2 Millionen im Jahr 2021. Der Absatzwert der produzierten E-Autos lag 2021 bei rund 13,7 Mrd. Euro, im Durchschnitt also bei knapp 42.000 Euro und damit deutlich über dem Wert von rund 33.000 Euro je Verbrenner.

Dieser Preisunterschied dürfte auch eine andere Statistik beeinflusst haben: Mit 300.000 Stück wurden 2021 über 90 Prozent der E-Auto-Produktion exportiert. Das konnte der Import von 292.000 E-Autos zwar fast vollständig ausgleichen. Jedoch lag trotz annähernd gleicher Stückzahl der Absatzwert der Exporte mit 12,6 Mrd. Euro deutlich höher als der der Importe (7,5 Mrd. Euro). Offenbar ist für viele Deutsche der Umstieg auf die Elektromobilität trotz aller Fördermittel noch immer eine Frage des Geldbeutels – da sind die Premiumprodukte aus heimischer Fertigung weniger gefragt als billigere Angebote aus anderen Teilen der Welt. Eine ähnliche Preisdifferenz gibt es zwar auch zwischen den ex- und den importierten Verbrenner-Pkw, jedoch liegt beim konventionellen Antrieb der Außenhandelsanteil deutlich niedriger.

Produktion von Verbrenner- und E-Pkw in Deutschland, 2020 und 2021

Quelle: Statistisches Bundesamt

An zwei Dingen ändert der Siegeszug der E-Autos jedoch wenig: Zum einen wären hier Themen wie Verkehrsaufkommen, Flächennutzung und Stadtplanung zu nennen. Hier geht es vor allem um die Frage, wie insbesondere innerstädtischer Raum gerecht zwischen den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern aufgeteilt werden kann. Dabei ist die Menge an Fahrzeugen (und je nach Betrachtungsweise auch deren Größe) zunächst einmal wichtiger als die Motorisierung.

Zum anderen sind elektrisch betriebene Fahrzeuge zwar am Ort ihres Einsatzes emissionsfrei; in der Gesamtbetrachtung sind sie aber natürlich nur so klimaneutral wie die Erzeugung des Stroms, mit dem sie geladen werden. Hierin liegt auch eine der größten Herausforderungen der Energiewende: Zwar stammt mittlerweile fast die Hälfte des Stroms in Deutschland aus nachhaltigen Quellen wie Wind- und Solarenergie. Bislang macht aber die Stromerzeugung nur knapp ein Fünftel der gesamten Energienutzung aus – den bei weitem größten Anteil unserer Energie verbrauchen wir bislang, indem wir fossile Brennstoffe in Kfz-Motoren, Heizungen und Industrieanlagen verbrennen.

Es muss also nicht nur ein immer größerer Anteil unseres Stroms aus nachhaltigen Quellen kommen – gleichzeitig muss sich auch die Menge des erzeugten Stroms vervielfachen, um die Elektrifizierung dieser Bereiche und ihre Abkoppelung vom Verbrauch fossiler Energieträger zu ermöglichen. Um unsere Energieversorgung geht es auch in der aktuellen Folge des Podcasts „Carsten’s Corner“: Zu Gast sind zwei Kollegen, die in unserem Firmenkundengeschäft die Energiewende unmittelbar miterleben und -gestalten. Hören Sie doch mal rein!

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