Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Der Tourismus kommt in die Jahre

Freitag, 5. August 2022

Der Sommer ist da und die Haupturlaubssaison hat begonnen – insgesamt machen sich jedes Jahr mehr als 50 Millionen Deutsche ab 15 Jahren auf die Reise. Dabei wird die deutsche Landesgrenze aber nicht zwangsläufig passiert. Deutschland ist, laut einer Umfrage des online-Reiseplaners Tourlane, auch in diesem Jahr das liebste Reiseziel der Deutschen.

Doch unabhängig davon, ob es ins Ausland gehen soll oder ob eine Reise im Inland ansteht – die Reiselust der Deutschen nimmt mit dem Alter ab. Unser Chart of the Week zeigt, dass in den Jahren 2012-2019 durchschnittlich 81-83 Prozent der 15- bis 44-jährigen eine Reise unternommen haben. Bei den über 65-jährigen waren es nur durchschnittlich 64 Prozent. Mehr als ein Drittel dieser Bevölkerungsgruppe hat Balkonien also nicht verlassen.

Der Anteil der Reisenden nimmt im Alter ab

Quelle: Destatis; ING; Durchschnittswerte 2012-2019

 

Dass die Reiseaktivität mit zunehmendem Alter immer weiter abnimmt, ist für den Tourismus keine gute Nachricht. Denn demnach bleibt auch die Reisebranche nicht vom demographischen Wandel verschont. Die erste mittelfristige Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass der Anteil der über 65-jährigen Bevölkerung, unter der Annahme einer moderaten Zuwanderung, bis zum Jahr 2035 auf 27 Prozent steigen wird. Von 22 Prozent in diesem Jahr. Der Anteil der 15-44-jährigen an der Gesamtbevölkerung hingegen wird rückläufig sein und von 35 Prozent auf 33 Prozent schrumpfen.

Einen Lichtblick gibt es jedoch – denn Deutschland ist nicht nur das liebste Reiseziel der Deutschen, es macht auch niemand sonst so viel Urlaub in Deutschland wie die Deutschen selbst – und hier sind die über 65-jährigen führend. Rund ein Viertel der über 65-jährigen Urlauber im Jahr 2019 verbrachten die Ferien im Inland, weitere 36 Prozent bereisten sowohl das In- als auch das Ausland. Einen solch hohen Anteil an Heimaturlaubern gab es in keiner der übrigen Altersgruppen. Mit steigendem Alter nimmt zwar die Reisetätigkeit ab, dafür nimmt aber auch die Heimatliebe zu. Und bei der stetig alternden Bevölkerung gibt’s dann vielleicht doch noch genug Reisewillige.

Nichtsdestotrotz wird der Tourismus durch den demographischen Wandel vor nicht unbedeutende Herausforderungen gestellt. Nicht nur die Reiseaktivität könnte aufgrund der alternden Bevölkerung abnehmen. Auch der Fachkräftemangel, der die Unternehmen bereits jetzt belastet, dürfte sich in Zukunft ohne entsprechende Maßnahmen noch weiter verstärken. Vielleicht wird die Automatisierung auch im Tourismusbereich einmal unterstützend gegen den Fachkräftemangel wirken – immerhin brauchen Roboter nur selten Urlaub. Auf der anderen Seite verreisen sie dafür auch weniger - unabhängig vom Alter.

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