Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Abgesang auf eine Exportnation?

Freitag, 11. November 2022

„Die Berichte von meinem Ableben sind stark übertrieben“, mit diesen Worten soll sich Mark Twain 1897 über entsprechende Spekulationen amerikanischer Zeitungen amüsiert haben. Grabesstimmung macht sich derzeit auch beim Blick auf die Außenhandelsstatistik breit: 8,1 Milliarden Euro betrug der deutsche Außenhandelsüberschuss im September 2022. Das ist schon ein niedriger Wert im langfristigen Vergleich, doch wie unser Chart der Woche zeigt, waren es im August sogar nur 300 Millionen gewesen. Dies war der niedrigste Monatswert der letzten Jahrzehnte und lag noch deutlich unter dem Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie im April 2020.

Rechnet man – trotz abwärts zeigendem Trend – den bisherigen Jahresverlauf auf 12 Monate hoch, würde das für 2022 zu einem Jahressaldo von 70 Milliarden Euro führen. Niedriger lag der deutsche Außenhandelsüberschuss zuletzt im Jahr 2000; seit 2002 bewegte sich der Wert immer deutlich im dreistelligen Bereich. Müssen wir uns Sorgen um die Exportindustrie machen, die ja immer das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft war?

Ja und nein.

 

Deutscher Außenhandel seit 2000 (monatlich, nicht bereinigt, in Mrd. Euro)

Quelle: Statistisches Bundesamt, ING

 

Ja – denn die derzeitigen Probleme der deutschen Industrie sind nicht nur eine Momentaufnahme. Ein gesamtwirtschaftliches Geschäftsmodell, in dem günstige Energie eine wichtige Rolle spielt, funktioniert bei hohen Öl-, Gas- und Strompreisen deutlich weniger gut und bedarf allein schon unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten einer Überarbeitung. Die Produktion energieintensiver Industriebranchen lag im August um fast 9 Prozent niedriger als ein halbes Jahr zuvor. Auch die Auftragsbücher waren zu Beginn des Jahres noch gut gefüllt, doch hat sich die Gesamtsumme ausstehender Aufträge seitdem um 15 Prozent verringert. Und wie lange sich die Störungen internationaler Lieferketten noch hinziehen werden, ist derzeit nicht abzusehen.

Nein – zumindest ist der rekordniedrige Außenhandelsüberschuss allein nicht Grund genug für Alarmismus. Denn es handelt sich dabei um die Differenz zwischen Exporten und Importen, die Medaille hat somit zwei Seiten. Und während die Exporte tatsächlich – auf immer noch hohem Niveau – etwas schwächeln, hätte das alleine den Saldo noch nicht auf derart niedrige Werte gedrückt, wenn nicht gleichzeitig die Importe auf einen der höchsten Werte aller Zeiten geklettert wären. Unter anderem aufgrund derselben hohen Energiepreise, die die industrielle Produktion belasten. Eine Entspannung der Energiekostensituation könnte also einen doppelten positiven Effekt auf die Außenhandelsstatistik haben.

Wann eine solche Entspannung dauerhaft eintritt, ist derzeit allerdings noch nicht abzusehen – gut möglich also, dass wir demnächst zum ersten Mal, soweit die Statistik zurückreicht, einen negativen monatlichen Außenhandelssaldo sehen. Berichte vom Ableben der deutschen Industrie wären aber auch dann: stark übertrieben.

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