Autor

Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-DiBa
@carstenbrzeski

Chart of the Week Unter der Oberfläche wird es kälter am Arbeitsmarkt

Freitag, 18. November 2022

Hohe Unsicherheit und Inflation hinterlassen nicht nur bei Verbrauchern, sondern auch bei Unternehmen ihre Spuren. Deutschland schlittert in eine Rezession und eine der Fragen, die sich dabei stellen, ist, welche Auswirkungen das auf den Arbeitsmarkt haben wird. Auf den ersten Blick gibt sich der deutsche Arbeitsmarkt noch robust – doch unter der Oberfläche zeigen sich vorsichtige Anzeichen einer sich abkühlenden Beschäftigung.

Mit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine zu Beginn dieses Jahres haben sich nicht nur die kurzfristigen, sondern auch die langfristigen wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland verdunkelt. Für die kurze Frist zeigen seit einigen Monaten alle Frühindikatoren einen wirtschaftlichen Abschwung an. Das Konsumentenvertrauen sank auf einen historischen Tiefstand und auch die deutschen Unternehmen, sowohl im Dienstleistungsbereich als auch im herstellenden Gewerbe, sehen eher pessimistisch in die Zukunft. Und dennoch zeigten die Wachstumszahlen fürs dritte Quartal an, dass die deutsche Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent gewachsen war.

Ist die wirtschaftliche Lage also eigentlich besser, als wir Volkswirte seit einigen Monaten prognostizieren? Kommt keine Rezession und, falls sie doch kommt, wird dann wenigstens der Arbeitsmarkt verschont bleiben? Tatsächlich ist eine Rezession in Deutschland nicht mehr zu verhindern. Die einzige Frage ist, wie schwer und wie lang die Rezession sein wird. Und ob sie Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen wird. Dieser zeigt sich, auf den ersten Blick, aktuell noch recht robust. Die Anzahl an Arbeitslosen ist, nicht saisonbereinigt, im Oktober um 43.000 auf 2,442 Millionen gesunken und die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent. Saisonbereinigt blieb sie unverändert zum September bei 5,5 Prozent.

Von einem spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit können wir also bisher nicht sprechen. Unter der Oberfläche gibt es allerdings vorsichtige Anzeichen dafür, dass der deutsche Arbeitsmarkt sich langsam abkühlt. Eines dieser Anzeichen zeigt unser Chart of the Week.

 

Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X)

Quelle: Refinitiv
 

 

Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X), der auf den bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellenangeboten fundiert, hat seit Juni monatlich nachgegeben und hat im Oktober einen Wert von 128 erreicht. Nach dem Allzeithoch von 139 Punkten, die im Mai dieses Jahres erreicht wurden, waren zuletzt also nur knapp mehr Stellen ausgeschrieben als im Oktober des Vorjahres.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist zwar weiterhin auf hohem Niveau, was aufgrund des Fachkräftemangels, der in Deutschland zu großen Teilen struktureller Natur ist, auch nicht weiter überraschend ist, doch hat sie in den vergangenen Monaten schon deutlich nachgegeben. Im Vergleich zu September wurden im Oktober lediglich aus dem Bereich der Qualifizierten Dienstleistungen noch mehr Stellenausschreibungen gemeldet.

Doch nicht nur geht die Anzahl der gemeldeten Stellen langsam zurück, es melden auch wieder mehr Unternehmen konjunkturelle Kurzarbeit für ihre Angestellten an. Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Kurzarbeit stehen bis August zur Verfügung. Die Daten zeigen, dass die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit im August wieder zugenommen hat, nachdem sie bis Juli rückläufig war. Zeitgleich haben von August bis Oktober die Anzeigen zur konjunkturellen Kurzarbeit in jedem Monat zugenommen.

Auch wenn der Arbeitsmarkt sich auf den ersten Blick noch robust zeigt – der Blick unter die Oberfläche zeigt, dass er sich bereits abkühlt. Mit der Rezession erwarten wir einen moderaten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Laufe der nächsten Quartale. Niveaus wie während der ersten Corona-Lockdowns sollten wir dabei allerdings nicht sehen.

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