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ROUNDUP: Airbus bekommt 2020 mehr Bestellungen als Stornos - Aktie legt zu

11 Jan – 10:31

TOULOUSE (dpa-AFX) - Der Luftfahrtkonzern Airbus <NL0000235190> hat trotz der Corona-Krise im abgelaufenen Jahr mehr Flugzeug-Bestellungen hereingeholt als Stornierungen kassiert. Netto kamen Aufträge über 268 Maschinen herein, wie der Konzern am Freitagabend in Toulouse mitteilte. Dank eines Schlussspurts gelang es Airbus, im Gesamtjahr 566 Jets auszuliefern. Der Dezember war mit 89 Auslieferungen der stärkste Monat des Jahres. Von ursprünglich für das Gesamtjahr angepeilten 880 Auslieferungen blieb der Konzern aber wegen der Pandemie und ihrer Folgen wie erwartet weit entfernt.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Airbus-Aktie legte am Montagmorgen in einem schwächeren Umfeld um 1,34 Prozent auf 91,31 Euro zu. In den vergangenen zwölf Monaten hat das Papier damit noch rund ein Drittel an Wert eingebüßt und liegt damit wieder auf dem Niveau von vor rund drei Jahren. Im Zuge des Corona-Crashs war der Kurs im vergangenen März zwischenzeitlich jedoch bis auf unter 50 Euro abgerutscht.

Analyst David Perry von der US-Bank JPMorgan hob seine Empfehlung für die Aktie nun auf "Overweight" an und setzte sein Kursziel auf 101 Euro nach oben. Sein Kollege Andrew Gollan von der Bank Berenberg legte das Ziel sogar auf 110 Euro herauf. Die vergleichsweise geringe Zahl von Stornierungen sei angesichts der schweren Branchenkrise "beeindruckend", schrieb Gollan am Morgen. Und Perry betrachtet die Airbus-Aktie als mittelfristig vielversprechendsten Wert der Branche.

So konnte Airbus seine Position als größter Flugzeugbauer der Welt im vergangenen Jahr verteidigen. Sein Rivale Boeing <US0970231058> aus den USA hatte die Spitzenposition wegen des Start- und Auslieferungsverbots für seinen wichtigsten Flugzeugtyp 737 Max im Jahr 2019 an Airbus verloren und im Corona-Jahr weiterhin unter dem Desaster rund um das Modell gelitten.

Die herben Folgen der Corona-Krise für die Luftfahrt und Fluggesellschaften in aller Welt dürften allerdings sowohl Airbus als auch Boeing noch mehrere Jahre lang im Griff halten. So ist nicht zu erwarten, dass Airbus im laufenden Jahr auch nur in die Nähe des Rekordjahrs 2019 kommt, als der Konzern 863 Flugzeuge ausgeliefert hatte.

Wegen der Krise hat der Hersteller seine Produktion um rund 40 Prozent gekappt. Airbus-Chef Guillaume Faury will dieses Niveau vorerst halten, wie er in einer Telefonkonferenz sagte. Er hofft, die Produktion der Mittelstreckenjets aus der A320neo-Familie in der zweiten Jahreshälfte wieder ein Stück hochfahren zu können. Rechnerisch würde Airbus damit im laufenden Jahr mehr Flugzeuge ausliefern als im Corona-Jahr 2020. Faury bestätigte diese Kalkulation, wollte aber keine eigene Prognose dazu abgeben.

Während Airbus wie die gesamte Luftfahrtbranche vor allem unter der Corona-Krise leidet, hatte sein Konkurrent Boeing auch noch mit der 737-Max-Krise zu kämpfen. Erst im November genehmigte die US-Luftfahrtbehörde FAA nach einer Reihe technischer Veränderungen und Nachbesserungen an der Software den erneuten Einsatz der 737 Max - dem Konkurrenzmodell des Airbus-Verkaufsschlagers A320neo. Die Freigabe der europäischen Luftfahrtbehörde EASA wird ab Mitte Januar erwartet. Das Flugverbot war im März 2019 nach zwei Abstürzen mit 346 Toten verhängt worden.

Weil Boeing die 737-Max-Maschinen nicht ausliefern konnte und die Produktion zudem zeitweise ganz stoppte, konnte der Konzern in den ersten elf Monaten über die ganze Modellpalette hinweg nur 118 Maschinen an seine Kunden übergeben. Die Zahlen vom Dezember hat Boeing noch nicht veröffentlicht. Zudem bestellten Boeing-Kunden in den Monaten Januar bis November mehr als 500 Flugzeuge ab.

Auch diese Bilanz sieht bei Airbus trotz der herben Folgen der Pandemie für Fluggesellschaften in aller Welt deutlich besser aus. Im Gesamtjahr holte Airbus neue Bestellungen über 383 Maschinen herein - vor allem vor dem Ausbruch der Pandemie. Im Gegenzug kassierte der Konzern 115 Stornierungen. Davon stammten 66 aus dem ersten Quartal und hatten nach früheren Angaben des Herstellers noch nichts mit der Corona-Krise zu tun.

Gegen Jahresende kamen allerdings noch eine Reihe von Abbestellungen hinzu. Einige davon stammten von der asiatischen Fluggesellschaft AirAsia-X, wie Airbus-Verkaufschef Christian Scherer bestätigte. Er nannte jedoch keine Details. AirAsia-X ist der Langstrecken-Ableger der malaysischen Billigfluggesellschaft AirAsia und hatte 78 Exemplare des Großraumjets A330neo bestellt. Das Unternehmen kämpft wegen des Geschäftseinbruchs in der Corona-Krise ums Überleben.

Trotz der Stornierungen sitzt Airbus nach wie vor auf einem dicken Auftragsbuch, das noch für viele Jahre reicht. Ende Dezember lag der Auftragsbestand bei 7184 Flugzeugen. Allerdings haben viele Fluggesellschaften die Abnahme bereits bestellter Maschinen um Monate oder Jahre in die Zukunft verschoben. Für die Produktion bei Airbus hat das weitreichende Folgen.

Im Frühling waren die Auslieferungszahlen des Herstellers wegen der Corona-Krise deutlich abgesackt. Seit dem Sommer ging es dann wieder ein gutes Stück aufwärts. Doch viele Fluggesellschaften wie Lufthansa <DE0008232125> konnten sich nur dank staatlicher Hilfen vor der Pleite retten. Zusätzliche Jets können sie derzeit nicht gebrauchen und tun sich wegen der eingebrochenen Einnahmen im Fluggeschäft auch mit der Bezahlung schwer.

Branchenvertreter erwarten, dass der weltweite Luftverkehr erst in einigen Jahren wieder das Niveau von 2019 erreicht. Auch wenn viele Länder inzwischen mit Impfungen gegen das Coronavirus begonnen haben, sieht Airbus-Chef Faury mit Blick auf die weitere Entwicklung im Fluggeschäft weiterhin eine große Unsicherheit.

Längst haben Airbus und Boeing den Abbau zigtausender Jobs angekündigt. Allein bei Airbus stehen 15 000 Stellen auf der Streichliste. Allerdings sollen wegen der verlängerten Kurzarbeiterregeln letztlich nicht ganz so viele Arbeitsplätze wegfallen. Die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite kämen voran, sagte Faury. Neueinstellungen kann er sich erst ab dem Jahr 2022 oder 2023 wieder vorstellen. Schließlich würden jetzt nicht so viele Stellen gestrichen, wie es die gedrosselte Flugzeugproduktion eigentlich erwarten lasse./stw/ngu/jha/

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Quelle: DFA/DPA. Diese Nachricht wurde vollständig von einer dritten Partei bereitgestellt und veröffentlicht. ING ist daran weder beteiligt noch hat ING Einfluss auf die veröffentlichten Informationen. Mehr dazu finden Sie im disclaimer.