Erwarteter weiterer Hochlauf noch nicht vom Tisch
Trend-Perspektive und Wahrscheinlichkeit: DAX Bullish 60%

Der DAX erlebte am Freitag eine der wildesten Sitzungen des Jahres. Der Index eröffnete bei 24.671 Punkte, ganze 209 Punkte unter dem Donnerstagsschluss von 24.880 Punkte, und fiel weiter auf 24.652, den tiefsten Kurs der gesamten Korrekturwoche. Von diesem Tief startete eine massive Erho-lung um 225 Punkte auf das Tageshoch von 24.877, das den Donnerstagsschluss beinahe erreichte. Der Xetra-Schluss bei 24.833 Punkte (minus 47, minus 0,19%) lag am Ende nur 10 Punkte unterhalb des 50er-EMA (24.843). Damit ist das Muster zunächst gebrochen, das die gesamte Woche definiert hat. Vier Handelstage lang (Montag bis Donnerstag) durchbrach der DAX den 50er-EMA intraday, erholte sich aber jedes Mal auf Schlusskursbasis darüber. Am Freitag gelang diese Rettung nicht mehr. Der erste Schlusskurs unter dem 50er-EMA in der laufenden Korrekturphase ist ein Warnsignal. Die Wochenbilanz fällt mit rund 270 Punkten Verlust negativ aus, wobei der RSI von 40,43 am Mitt-woch auf 27,99 am Freitag abstürzte. Der RSI ist also ziemlich überverkauft und deutet eher ein Ver-laufstief und einen erneuten Anstieg an. Auch bei anderen Indizes gibt es Signale für einen erneuten Anstieg und einen Fehlausbruch nach unten.
Im Mittelpunkt steht einmal mehr die Geopolitik und der Mittlere Osten. Iran griff eine Entsalzungsan-lage und ein Kraftwerk in Kuwait an, das rund 90% der Trinkwasserversorgung des Landes sicher-stellt. Kuwaits Armee meldete zudem einen iranischen Drohnenangriff, bei dem mehrere Soldaten verletzt wurden. Iranische Streitkräfte attackierten nach eigenen Angaben auch US-Einrichtungen in Bahrain, Jordanien, Kuwait, Oman, Katar und Syrien. Beim Angriff auf Jordanien kamen 2 US-Soldaten ums Leben. Der Angriff auf zivile Infrastruktur Kuwaits markiert eine weitere Eskalationsstufe im Persischen Golf. Brent sprang um 4,59% auf 88,10 Dollar, WTI um 4,48% auf 81,78 Dollar. Auf Wochenbasis legten die Ölpreise deutlich zu. Iran hat zudem die jemenitischen Huthis aufgefordert, die Rote-Meer-Route für Öltransporte zu schließen, sollte die USA iranische Energieinfrastruktur an-greifen. Die Bedrohung erstreckt sich damit auf zwei der wichtigsten Seerouten der Welt, die Straße von Hormus und die Rote-Meer-Passage. Das Timing ist brisant. Der Ölpreissprung droht den Disin-flationstrend der letzten Wochen (US-CPI 3,5% statt 3,8%, PPI minus 0,3% statt 0,0%) zu untergra-ben. Brent bei 88 Dollar stellt die Frage, ob die nächsten Inflationszahlen noch die gleiche positive Überraschung liefern können. Heute ist Japans Tag des Meeres (Nikkei geschlossen), was den asiati-schen Handelseinfluss auf den DAX reduziert. Um 08:00 Uhr werden die deutschen Erzeugerpreise für Juni veröffentlicht (Prognose minus 0,2% im Monatsvergleich, Vormonat plus 0,3%). Ein negativer Wert würde den europäischen Disinflationstrend bestätigen und die Argumente gegen eine weitere EZB-Zinserhöhung am Donnerstag stärken. Die neue Handelswoche ist eine der bedeutendsten des Quartals. Am Mittwoch berichten Alphabet Q2 (entscheidend nach dem Gemini-Debakel, minus 4,4% am Donnerstag, minus 2,2% am Freitag) und Tesla Q2 nach US-Börsenschluss (25% mehr Fahr-zeugauslieferungen im Quartal laut Vorabdaten). Am Donnerstag folgt der EZB-Zinsentscheid (nach Erhöhung um 25 Basispunkte im Juni, EU-CPI nun bei 2,8%, Ölpreis bei 88 Dollar als Gegenargu-ment). SAP öffnet am Donnerstag die Bücher.

Handelsmöglichkeiten
Der DAX notiert unter dem wichtigen 50er-EMA bei 24.843 Punkten, konnte sich am Freitag aber deutlich vom Tagestief erholen. Es könnten weitere Anschlusskäufe folgen. Der vermutete Tagestief-bereich liegt heute weiter bei 24.500 bis 24.600 Punkten, der Tageshochbereich bei 25.000 bis 25.100 Punkten.
Widerstände: 24.900 / 25.000 / 25.100 Punkte
Unterstützungen: 24.700 / 24.600 / 24.500 Punkte
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