DAX bricht nach US-Leitzinsentscheid ein
Trend-Perspektive und Wahrscheinlichkeit: DAX Bearish 60%

Der DAX notiert am heutigen Donnerstag im vorbörslichen Handel bei 23.150 Punkten und damit wei-terhin deutlich unter dem 200er-EMA (23.865 Punkte), der am Vortag nicht nachhaltig überwunden werden konnte. Nach der gestrigen FOMC-Sitzung, die Fed beließ den Leitzins wie erwartet bei 3,75 Prozent, gab der Index die Intraday erzielten Gewinne wieder ab. Der vorsichtige Ton von Fed-Chef Jerome Powell zur Inflationsentwicklung angesichts der Ölpreisexplosion durch die Hormus-Blockade drückte auf die Stimmung. Der DAX fiel vom gestrigen Tageshoch bei rund 23.960 Punkten zurück auf Schlusskursniveau um 23.170 Punkte, ein Tagesverlust von rund 800 Punkten. Der 10er-EMA (23.579 Punkte) verläuft weiterhin unterhalb des 200er-EMA, der bearishe Crossover bleibt bestehen und hat sich durch den gestrigen Abverkauf noch verstärkt. Der 50er-EMA bei 24.311 Punkten ist ebenfalls weit oben entfernt. Im Wochenchart steht der RSI(14) bei 38,83 noch nicht im überverkauf-ten Bereich unter 30, aber nahe daran. Auf der Oberseite bleibt die Zone um den 200er-EMA bei 23.865 Punkten der entscheidende Widerstand, darüber die runde Marke von 24.000 Punkten und das offene Gap bei 24.571 Punkten. Auf der Unterseite dient die Zone um 23.000 Punkte als erstes Auffangnetz, darunter das März-Tief bei 22.922 Punkten und das weiterhin offene Gap bei 22.695 Punkten.
Der Fear & Greed Index steht bei 18 (Extreme Fear), unverändert zum Vortag. Vor einer Woche wa-ren es 22 (Extreme Fear), vor einem Monat noch 39 (Fear), vor einem Jahr 21 (Extreme Fear). Die kontinuierliche Verschlechterung zeigt die zunehmende Verunsicherung der Marktteilnehmer. Histo-risch waren Werte unter 20 häufig Wendepunkte, allerdings kein präzises Timing-Signal. Im AAII-Sentiment verharren die Bären bei 46,4 Prozent, deutlich über dem historischen Schnitt von 31,0 Pro-zent. Aus antizyklischer Sicht bleibt dies ein positives Signal. Der heutige Handel wird vollständig vom bevorstehenden Hexensabbat (Triple Witching) am morgigen Freitag dominiert. An diesem großen Verfallstag verfallen Optionen und Futures auf Indizes und Einzelaktien gleichzeitig, jeweils am dritten Freitag des letzten Monats eines Quartals. Heute ist der letzte volle Handelstag davor, was typischer-weise erhöhtes Handelsvolumen, aggressives Rollen von Positionen und Window-Dressing-Bewegungen mit sich bringt. Statistisch ist der Donnerstag vor dem Hexensabbat einer der stärkeren Tage im März-Verlauf, oft geprägt von institutionellen Positionierungen. Das Rohstoffumfeld bleibt ein erheblicher Belastungsfaktor. Brent Oil ist um 4,95 Prozent auf 112,70 Dollar je Barrel gesprungen, WTI notiert bei 96,49 Dollar (+1,08 Prozent). Für den exportlastigen DAX bedeutet dies doppelten Druck, höhere Inputkosten für die Industrie und steigende Inflationserwartungen. Natural Gas gibt leicht nach (-1,03 Prozent auf 3,168 Dollar). Zu beachten ist zudem Gold. Gold fällt um 1,36 Prozent auf 4.829 Dollar und Silber sogar um 4,14 Prozent auf 74,38 Dollar, trotz Extreme-Fear-Sentiment. Das deutet auf Liquiditätsbedarf hin.

Handelsmöglichkeiten
Die Zone um den 200er-EMA bei 23.865 Punkten bleibt der entscheidende Widerstand. Ein nachhalti-ger Ausbruch darüber bietet Long-Potenzial mit Zielen bei 24.000 und 24.571 Punkten. Auf der Unter-seite sind die 22.922 Punkte die kritische Verteidigungslinie, ein Bruch mit Volumen würde das Gap bei 22.695 Punkten aktivieren. Die Hauptbewegung dürfte durch die Verfallstag-Positionierung getrie-ben werden. Das heutige Tageshoch könnte zwischen 23.600/23.700 Punkte, das Tagestief zwischen 23.000/22.900 Punkte erreicht werden.
Widerstände: 23.500 / 23.860 / 24.000 Punkte
Unterstützungen: 23.000 / 22.900 / 22.700 Punkte
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