AKTIE IM FOKUS: Manchester United springen hoch - Gerüchte über Glazer-Rückzug
NEW YORK (dpa-AFX) - Anders als in der Börsenwelt gewohnt sorgen Gerüchte über einen Rückzug des Großaktionärs bei den Anteilscheinen von Manchester United <KYG5784H1065> am Donnerstag für viel Rückenwind. Der Kurs des britischen Fußballclubs, dessen Aktien in New York gehandelt werden, stieg um 13,5 Prozent auf den höchsten Stand seit August 2023. Anleger machen sich offenbar Hoffnung, dass ein neuer Investor etwas bei dem englischen Rekordmeister mit einem neuerdings sportlichen Schattendasein bewegt.
Kreisen zufolge haben einige Mitglieder der milliardenschweren Familie Glazer darüber diskutiert, ob sie ihre Anteile an dem britischen Fußballclub verkaufen sollen. Im Ganzen habe die Familie aber wohl noch keine Entscheidung getroffen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Einzelne Familienmitglieder seien bereits zum Verkauf gewillt und versuchten nun, weitere Mitglieder davon zu überzeugen.
Die mehr als 20-jährige Eigentümerschaft ist eine der längsten im englischen Spitzenfußball, war aber immer wieder von Fanprotesten überschattet. Die Glazers stießen bei den eingefleischten Fans von Anfang an auf tiefes Misstrauen. Nach dem Rücktritt des legendären Trainers Alex Ferguson im Jahr 2013 begann die Situation wegen ausbleibender sportlicher Erfolge zu eskalieren. 2025 war erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb verpasst worden.
Sportliche Niederschläge haben zuletzt in der Firmenbewertung ihre Spuren hinterlassen. Längst ist Manchester United in der vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin "Forbes" errechneten Rangliste hinter die beiden spanischen Spitzenclubs Real Madrid und FC Barcelona abgerutscht. An der Börse wurde der Club zuletzt mit weniger als vier Milliarden Dollar bewertet.
Der Kurs bewegte sich in den vergangenen Tagen auf dem Niveau von 2013. Seitdem gab es zwar kurzzeitige Schwankungen, aber nie entwickelte sich ein nachhaltiger Trend. Neue Ertragspotenziale für die kommende Saison eröffnet aber die Wieder-Qualifikation für die lukrative Champions League. Allerdings steht der Club in den kommenden Jahren auch vor einer potenziellen Milliardenbelastung durch die Modernisierung des berühmten Old-Trafford-Stadions.
Wie Bloomberg weiter schrieb, könnte ein potenzieller Verkauf das Interesse verschiedener Interessenten wecken - darunter Parteien aus dem Nahen Osten sowie vermögende Privatpersonen aus den USA. Käufer müssten für eine prestigeträchtige Sport-Aktie voraussichtlich einen hohen Preis zahlen, heißt es in dem Bericht.
Die aktuellen Überlegungen der Glazers gibt es zwei Jahre nach dem Verkauf eines Aktienpakets an den britischen Milliardär Jim Ratcliffe. Schon damals waren sich die Familienmitglieder wohl uneinig darüber gewesen, wieviele Anteile verkauft werden. Der Entscheid war dann gegen einen vollständigen Verkauf an eine Gruppe katarischer Investoren gefallen./tih/la/he