Aktien Frankfurt: Dax dreht ins Minus nach neuer Trump-Drohung gegen Iran
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der über weite Strecken des Handels freundliche deutsche Aktienmarkt ist am Donnerstagnachmittag nach neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran ins Minus abgerutscht. Die erwartete Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte nur wenig Einfluss auf die Kurse. Der Dax <DE0008469008> fiel auf sein Tagestief und notierte zuletzt 0,3 Prozent tiefer bei 24.116 Punkten. Der MDax <DE0008467416> mit den mittelgroßen Werten verlor 0,3 Prozent auf 31.208 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> blieb hingegen mit 0,4 Prozent im Plus.
"Die USA werden den Iran heute Nacht 'sehr hart' treffen", schrieb Trump auf seiner Online-Plattform Truth Social. "In nicht allzu ferner Zukunft werden wir die Insel Kharg und andere wichtige Öl-Infrastrukturstandorte einnehmen und die vollständige Kontrolle über ihre Öl- und Gasmärkte übernehmen", fügte er hinzu.
Mit der ersten Zinserhöhung seit fast drei Jahren stemmt sich die EZB gegen den Inflationsschub infolge des Iran-Kriegs. Die Euro-Währungshüter hoben den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent an. Die letzte Zinserhöhung im Euroraum gab es im September 2023. Höhere Zinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Firmen, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann.
Unter den Einzelwerten stehen die Aktien von SAP <DE0007164600> nach Quartalszahlen des Konkurrenten Oracle <US68389X1054> im Fokus. Mit einem Kursabschlag von 4,7 Prozent waren sie erneut schwächster Dax-Wert und weiteten ihre Verlustserie seit dem Zwischenhoch von Anfang Juni auf rund 17 Prozent aus.
Der US-Software- und Datencenter-Konzern Oracle steigerte im vierten Geschäftsquartal den Umsatz mit Cloud-Infrastruktur - das sind vor allem KI-Rechenzentren - um 93 Prozent. Experten bemängelten aber hohe Kosten für Rechenzentren und entsprechend starke Geldabflüsse. Bedeutend für Firmensoftware-Anbieter wie SAP sei, dass sich das Erlöswachstum der Amerikaner im Cloud-Softwarebereich (SaaS) verlangsamt habe, sagte ein Händler.
Der Aktienkurs des Modehändlers Hugo Boss <DE000A1PHFF7> verteuerte sich an der MDax-Spitze um 9,1 Prozent auf 39,78 Euro und liegt damit über der Offerte des Großaktionärs Frasers Group <GB00B1QH8P22>. Frasers bietet im Rahmen eines Übernahmeangebots 38 Euro je Boss-Aktie. Zuletzt kamen die Briten auf einen direkten Anteil von gut 26 Prozent. Analysten bezeichneten das Gebot in ersten Reaktionen als nicht besonders attraktiv.
Die Papiere von Kontron <AT0000A0E9W5> sprangen aufgrund von Übernahmeaussichten um 5,1 Prozent auf 23,52 Euro hoch. Der Großaktionär Ennoconn hat bei dem Hightech-Unternehmen die 30-Prozent-Schwelle überschritten und will den restlichen Aktionären nun ein Pflichtangebot zur Übernahme machen. Der Angebotspreis soll bei 23,50 Euro je Aktie liegen.
Die US-Investmentbank Goldman Sachs stufte die Aktien der Porsche AG <DE000PAG9113> von "Neutral" auf "Buy" hoch und erhöhte das Kursziel von 39 auf 59 Euro. Struktureller Gegenwind für den Sportwagenbauer bleibe zwar die Realität, sei aber in den massiv gesunkenen Erwartungen inzwischen angekommen, schrieb Analyst Christian Frenes. Bis 2030 rechnet er mit einem durchschnittlichen jährlichen Gewinnanstieg von 30 Prozent. Die Aktien der Porsche AG stiegen um 2,5 Prozent.
Die Anteilsscheine von Renk <DE000RENK730> und Patrizia <DE000PAT1AG3> bewegen sich klar im Minus, weil sie mit einem Dividendenabschlag gehandelt werden./edh/jha/
--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---