ROUNDUP: Infineon mit Rekordumsatz dank KI-Boom - Marge enttäuscht
NEUBIBERG (dpa-AFX) - Der Halbleiterhersteller Infineon <DE0006231004> hat dank der boomenden Nachfrage nach Stromchips für KI-Rechenzentren im dritten Geschäftsquartal einen Rekordumsatz erzielt. Zudem sorgten steigende Investitionen in die Netzinfrastruktur für Rückenwind und auch im wichtigen Automobilgeschäft zogen die Geschäfte an. Für das laufende Jahr zeigte sich das Unternehmen etwas optimistischer für seine KI-Umsätze, bekräftigte die Konzernprognose jedoch weitgehend. Dies sowie eine unter den Erwartungen ausgefallene Marge sorgte am Aktienmarkt für Enttäuschung.
Die im Dax <DE0008469008> notierte Aktie rutschte am Mittwochvormittag um mehr als fünf Prozent ab und war damit Schlusslicht in dem Index, in dem es nur wenige Verlierer gab. Dennoch kommt das Papier im laufenden Jahr immer noch auf einen Wertzuwachs von gut 60 Prozent, auch wenn es im letzten Monat im Zuge von Sorgen um die Nachhaltigkeit von KI-Investitionen deutlich Federn lassen musste.
Sandeep Deshpande von JPMorgan monierte Ergebnisse und Ausblick des Chipherstellers. Dagegen lobte er längerfristige Liefervereinbarungen mit Kunden im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz. Das könne dem Chip-Hersteller auf Jahre hinaus Planbarkeit verschaffen, auch mit Blick auf die Produktionskapazitäten.
In den drei Monaten bis Ende Juni erhöhte Infineon den Umsatz im Vergleich zum Vorquartal um neun Prozent auf knapp 4,2 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Morgen in Neubiberg bei München mitteilte. Das Segmentergebnis, das die operative Profitabilität misst, stieg um 22 Prozent auf 797 Millionen Euro. Die entsprechende Marge verbesserte sich um zwei Prozentpunkte auf 19,1 Prozent. Hier hatten Analysten mehr erwartet.
"Der Aufschwung ist in vollem Gange", sagte Konzernchef Jochen Hanebeck in einer Telefonkonferenz. Immer mehr Zielmärkte zeigten einen positiven Trend, auch im zuletzt schwächelnden Auto-Geschäft hätten die Aufträge "spürbar" angezogen. Infineon macht rund die Hälfte seines Geschäfts im Automobil-Bereich.
Für das vierte Quartal erwartet Infineon deutliche Zuwächse. Im Geschäftsjahr 2025/26 geht das Unternehmen nun von einem Umsatzanstieg von rund elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf etwa 16,3 Milliarden Euro aus. Bislang hatte das Management einen deutlichen Anstieg in Aussicht gestellt. Dabei erwartet Infineon KI-Erlöse von über 1,6 Milliarden Euro und damit leicht mehr als zuvor.
Die Margenprognose von rund 20 Prozent bestätigte Infineon. Zwar könne man für KI-Produkte höhere Preise aufrufen, so Hanebeck. Dem stünden jedoch derzeit steigende Produktionskosten gegenüber. Zudem senkte das Unternehmen nach der Übernahme des Sensorportfolios von AMS Osram seine Prognose für den freien Barmittelfluss. Bereinigt soll dieser jedoch höher ausfallen als zuvor geplant.
Die Geschäfte mit Chips für KI-Rechenzentren dürften auch künftig für Wachstum sorgen: Wie Infineon weiter mitteilte, hat das Unternehmen mehrjährige Reservierungsvereinbarungen abgeschlossen oder befindet sich in entsprechenden Verhandlungen. Diese umfassten ein kumuliertes Umsatzvolumen im hohen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich und beinhalteten auch bestimmte Vorauszahlungen, hieß es.
Zum vierten Quartal werde Infineon seine Prognose für die KI-Erlöse für das kommende Geschäftsjahr 2026/27 "deutlich" erhöhen, sagte Hanebeck. Bislang erwartet der Konzern 2,5 Milliarden Euro./nas/men/mis
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