ROUNDUP: Rheinmetall senkt Umsatzprognose nach F126-Aus - Aktie legt leicht zu
DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Nach dem Stopp des milliardenschweren F126-Fregattenprojekts durch das Verteidigungsministerium hat Rheinmetall <DE0007030009> wie erwartet den Umsatzausblick für das laufende Jahr gesenkt. Der Vorstand rechne nun mit einem Anstieg des Konzernumsatzes auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro im Vergleich zu den 2025 erzielten 9,94 Milliarden, teilte der Dax <DE0008469008>-Konzern am Donnerstag mit. Das sind am oberen und unteren Ende der Spanne je 300 Millionen weniger als zuvor. Die operative Ergebnismarge soll weiterhin rund 19 Prozent erreichen. Für die Rheinmetall-Aktie ging es daraufhin ein Stück nach oben.
Der Aktienkurs tat sich schwer mit der Richtungssuche und schwankte zwischen Gewinnen und Verlusten. Zuletzt fiel er um 1 Prozent auf 1188,40 Euro. Vom Ende Juni erreichten Tief seit Februar 2025 bei rund 900 Euro hat sich die Rheinmetall-Aktie damit immer noch um etwa ein Drittel erholt. Seit Jahresbeginn hat sie allerdings bisher noch fast ein Viertel ihres Wertes verloren.
Die neuen Ziele seien auf den ersten Blick möglicherweise enttäuschend, schrieb UBS-Analyst Sven Weier. Sie seien aber wohl nur Ausdruck einer konservativeren Planung von Rheinmetall. Wenn er die entscheidenden Faktoren addiere, komme er auf ein vergleichbares Umsatzpotenzial wie bisher, ergänzte Weier.
JPMorgan-Experte David Perry sprach dagegen von einer Menge Klärungsbedarf für die Anleger. Er rechnet mit moderat sinkenden Umsatzschätzungen für 2026. Er hob außerdem das neue Auftragsziel hervor: Beim sogenannten Backlog erwarte der Rüstungskonzern im laufenden Jahr mittlerweile nur noch einen Wert über 100 Milliarden Euro, nachdem zuvor rund 135 Milliarden Euro angepeilt waren. In diesem Auftragsbestand sind verbindliche Aufträge und Rahmenverträge enthalten.
Bereits Anfang Juli hatte Rheinmetall mitgeteilt, dass wegen der Stornierung des Programms für die Fregatte F126 Einbußen zu erwarten seien. So könne der Umsatz im laufenden Jahr dadurch bis zu 300 Millionen weniger betragen. Das Ministerium hatte nach jahrelangen Verzögerungen und Kostenexplosionen das Fregattenprojekt F126 gecancelt und sich stattdessen für eine kleinere Variante des Konkurrenten TKMS <DE000TKMS001> entschieden.
Konzernchef Armin Papperger verwies auf eine solide Basis für Wachstum in allen Geschäftsbereichen. "Auch im Marinebereich schauen wir nach vorn und arbeiten mit Hochdruck daran, als zuverlässiger Partner mit hoher Expertise unsere vorhandenen maritimen Aufträge zu erfüllen und auch im internationalen Umfeld neue Bestellungen zu generieren", sagte Papperger laut Mitteilung.
Die bereits Ende Juli vorgelegten Eckdaten zum zweiten Quartal bestätigte Deutschlands größter Rüstungskonzern. So stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 69 Prozent auf 3,29 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis konnte Rheinmetall auf 562 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Die entsprechende Marge lag damit bei 17,1 Prozent nach 13,4 Prozent ein Jahr zuvor. Analyst Sam Burgess von der US-Investmentbank Goldman Sachs sprach von starken Zahlen im Einklang mit den Vorabdaten.
Ungeachtet des Rückschlags im Marinegeschäft versechsfachte sich die sogenannte Nomination fast auf 11,37 Milliarden Euro. Diese Kennziffer umfasst neben dem klassischen Auftragseingang unter anderem das Volumen aus neu abgeschlossenen Rahmenverträgen. Das Backlog liegt dadurch mittlerweile über 80 Milliarden Euro.
Bereits Ende Juli hatte Rheinmetall seine Investoren operativ auf einen deutlichen Abfluss freier Barmittel eingestellt, da sich Anzahlungen verschoben hätten und Vorräte für die Folgequartale aufgebaut worden seien. Zudem fließe weiter Geld in die Vorbereitungen von Kapazitätsausweitungen. Der operative freie Barmittelfluss verschlechterte sich im zweiten Quartal von minus 874 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 1,33 Milliarden Euro./mis/niw/mis
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