AKTIE IM FOKUS: Endgültige Halbjahresbilanz von Evotec vergrault erneut Anleger
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Börse hat die Evotec <DE0005664809>-Papiere am Donnerstag nach einer schwachen Halbjahresbilanz noch einmal abgestraft. Die vorgelegten endgültigen Zahlen entsprachen zwar den bereits seit Mitte Juli bekannten Eckdaten, dennoch rutschten die Anteilsscheine des Hamburger Wirkstoffentwicklers und Pharmaforschers um bis zu sieben Prozent ab.
Zuletzt betrug das Minus noch rund 5,5 Prozent bei 3,64 Euro. Die leichte Aufwärtsbewegung der vergangenen Handelstage ist damit zu einem großen Teil wieder zunichte.
Evotec hatte im vergangenen Monat die Börse bereits mit einer Gewinnwarnung verärgert. Der Aktienkurs war binnen eines Handelstages in der Spitze um mehr als ein Drittel eingebrochen und auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gesackt. Von diesem Verfall hatte sich das Papier bisher kaum erholt. Im laufenden Jahr steht ebenfalls ein Verlust von rund einem Drittel zu Buche. Binnen fünf Jahren hat die Aktie sogar fast die Hälfte an Wert eingebüßt.
RBC-Analyst Charles Weston zeigte sich unterdessen von Evotecs Halbjahresbilanz wenig überrascht. Die endgültigen Zahlen hätten den vorläufigen Kennziffern entsprochen, auch die bereits gesenkte Prognose sei bestätigt worden. Er hob zudem die stark schwankende Entwicklung der Evotec-Tochter Just-Evotec Biologics im zweiten Quartal hervor.
Nicht nur Just-Evotec, auch das Geschäft mit der Forschung und der vorklinischen Wirkstoffentwicklung sei für die Hanseaten deutlicher schlechter gelaufen, als ursprünglich vor der Gewinnwarnung noch am Markt erwartet worden sei, so der Experte. Der Konzern selbst begründete die Abweichung im Forschungsbereich mit einer verhaltenen Kundennachfrage sowie mit einer "schwächeren Umwandlung von Verkäufen in Umsätze".
Wegen der Umsatzeinbußen und höherer Kosten unter anderem für den Konzernumbau war Evotec sowohl im zweiten Quartal als auch im ersten Halbjahr noch weitaus tiefer in die roten Zahlen gerutscht.
Nach einer profitablen Corona-Zeit schreibt das einstige Biotech-Vorzeigeunternehmen aber schon seit mehreren Jahren Verluste. Der 2024 angetretene Evotec-Chef Christian Wojczewski hat deshalb eine Restrukturierung in der Forschung eingeläutet, samt massivem Stellenabbau und einer Verkleinerung des Standortnetzwerks.
Der Manager sieht den Konzern indes auf einem guten Weg und sprach laut Mitteilung vom Donnerstag von ersten positiven Effekten des aktuellen Umbauprogramms. Dabei zeigte er sich erneut zuversichtlich, die Einsparziele für das laufende Jahr zu erreichen. Bis Ende 2027 will der Konzern seine Kostenbasis um rund 75 Millionen Euro senken - 2026 sollen davon 20 bis 30 Prozent erreicht sein./tav/nas/mis
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