ROUNDUP: Waldbrand im Hohen Venn tobt weiter - Brandgeruch bis Köln
MONSCHAU (dpa-AFX) - Der unermüdliche Kampf gegen die Flammen im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn und gegen deren Übergreifen auf die Grenzstadt Monschau in der Eifel geht auch an Tag vier unvermindert weiter. Das Feuer habe sich in der Nacht und am Vormittag nicht weiter Richtung deutsche Grenze ausgebreitet, sagte der Monschauer Feuerwehrsprecher Tobias Schell. Die Flammen seien weiter gut zwei Kilometer entfernt.
"Aktuell ist das beherrschbar", sagte der Sprecher. Falls der Wind im Laufe des Tages auffrische und in eine ungünstige Richtung drehe, könnte dies das Feuer aber erneut stärker anfachen. Die Kräfte hätten für diesen Fall vorsorglich Löschwassertanks in den möglicherweise betroffenen Gebieten aufgestellt.
Bei der Brandbekämpfung gab es laut Schell in der Nacht einen Unfall: Ein belgisches Löschfahrzeug sei umgekippt. Dabei wurde aber niemand verletzt. Aktuell seien noch 170 Einsatzkräfte im Drei-Schicht-System im Einsatz. Die Löscharbeiten würden sicher noch etliche Tage dauern, sagte er.
Rauchbelastung schon über 100 Kilometer weit bis Köln
Das Großfeuer an der belgisch-deutschen Grenze sorgte am Dienstag auch in mehr als 100 Kilometer Entfernung etwa in Köln oder auch Wuppertal für unangenehmen Brandgeruch. Die Kölner Feuerwehr rief eine "großräumige Geruchslage" im Gebiet der Millionenstadt aus. Es drohe aber keine Gefahr, hieß es. Zuvor hatten besorgte Bürger sich wegen der Geruchsbelästigung gemeldet.
In Wuppertal warnte die Feuerwehr: "Zurzeit ist der Brandgeruch im ganzen Stadtgebiet wahrzunehmen. Eine gesundheitliche Gefährdung kann nicht ausgeschlossen werden." Fenster und Türen sollten geschlossen bleiben. Der Oberbergische Kreis gab ebenfalls eine Warnmeldung heraus. Aus Düsseldorf kamen vereinzelte Berichte über unangenehmen Brandgeruch.
"Der Boden ist eigentlich eine Glutfläche"
In Monschau sowie den Gemeinden Simmerath und Roetgen wurden Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, in geschlossenen Räumen zu bleiben. Angesichts der dynamischen Lage werde die Situation rund um die Kindertageseinrichtungen in den Orten fortlaufend beobachtet. Die meisten Kitas im betroffenen Gebiet seien derzeit noch in den Sommerferien.
Die Müllabfuhr in Monschau setze wegen starker Geruchsbelästigung durch das Feuer Atemschutzmasken ein. Feuerwehrsprecher Schell erläuterte, dass die Geruchsbelastung durch die stark qualmenden Schwelbrände im torfigen Boden entstehe. "Der Boden ist eigentlich eine Glutfläche", sagte er. Darauf sei vormittags Regen gefallen, der große Mengen Wasserdampf brachte.
Banger Blick auf die Wetterverhältnisse
Bis zum frühen Nachmittag sollte der auffrischende Wind laut Deutschem Wetterdienst noch einmal deutlich zunehmen. Es könne für einige Stunden in der Eifel teilweise zu Böen kommen, die Windstärke werde voraussichtlich noch gerade unter der untersten Warnschwelle bleiben, sagte eine DWD-Meteorologin auf Anfrage. Danach flaue der Wind aber wieder ab. Günstig wirkten sich kräftige Schauer aus. Der Regen sollte auch in den nächsten Tagen voraussichtlich anhalten.
Derzeit keine weitere Evakuierung in Monschau geplant
Die grenznahe Eifelstadt Monschau ist seit Tagen von einem Übergreifen der Flammen bedroht. Der Waldbrand in dem Naturschutzgebiet ist einer der größten in der belgischen Geschichte. Das Feuer hatte sich am Sonntagabend der deutschen Grenze so weit genähert, dass in Monschau-Kalterherberg etwa 30 Einwohner aus Sicherheitsgründen ihre Häuser verlassen mussten. Weitere Evakuierungen waren zunächst nicht geplant.
Im Hürtgenwald entspannt sich die Lage weiter
Im Hürtgenwald - rund 20 Kilometer von Monschau entfernt - hat sich die Lage weiter entspannt, wie der Kreis Düren mitteilte. Die Löscharbeiten hätten gewirkt, der Regen habe geholfen. Zuletzt ging es vor allem um Glutnester. Dort sind etwa 300 Hektar Wald betroffen
- vom größten Brand in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen.
Mehr Vorsorge-Maßnahmen gefordert
Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft verlangte eine bessere Vorbereitung auf solche Lagen: "Wir brauchen einen vorbeugenden Brandschutz für Waldbrände", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Siegfried Maier im ZDF-"Morgenmagazin". So könnten Schneisen, die eine Ausbreitung von Bränden verhinderten, im Voraus angelegt werden. Wichtig seien geländegängige Fahrzeuge und Wasserdepots, um an den Einsatzorten schnell ausreichend Wasser zur Verfügung zu haben.
Auch der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Karl-Heinz Banse, mahnte mehr Vorbeugung an. Die Ausbildung bei der Feuerwehr müsse sich ändern und die Bekämpfung von Waldbränden mehr trainiert werden. Wichtig sei es, die Menschen stärker zu sensibilisieren, wie gefährlich bestimmtes Verhalten im Wald sein kann. Lagerfeuer, illegales Grillen oder weggeworfene Zigaretten könnten große Feuer auslösen.
Der Kampf im Hohen Venn wird noch lange dauern
Der belgische Innenminister Bernard Quintin sprach von einem unberechenbaren Feuer. Selbst wenn es unter Kontrolle gebracht worden sei, müsse man das Gebiet unter Wasser setzen, um ein erneutes Aufflammen zu vermeiden. Die Nachlöscharbeiten dürften Wochen dauern, sagte der Minister bereits am Montag der Nachrichtenagentur Belga. Das Hohe Venn gilt als eine einzigartige Hochmoor- und Sumpflandschaft./wa/DP/mis
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