Experten: Rentendauer ab 65 wird unterschätzt
WIESBADEN (dpa-AFX) - In der Diskussion um das Renteneintrittsalter ist die statistisch ermittelte Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren eine wichtige Größe. Schließlich ist sie ein Anhaltspunkt für die Rentendauer. Aber wie gut trifft dieser statistische Wert die spätere Wirklichkeit? Das haben Forscher des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden analysiert.
"Unsere Studie zeigt, dass die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren tendenziell die durchschnittlich verbleibende Lebensdauer unterschätzt", sagt Sebastian Klüsener, Forschungsdirektor am BiB. "Allerdings beträgt die Unterschätzung selten mehr als zehn Prozent, und die Schwankungen über die Zeit sind nicht sehr hoch." Die Lebenserwartung im Alter 65 sei damit belastbar genug, um als Bezugsgröße für eine mögliche Kopplung des Renteneintrittsalters dienen zu können.
Zugewinne machen sich vor allem bei Über-70-Jährigen bemerkbar
Die verbleibende statistische Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren beträgt aktuell 21,2 Jahre für Frauen und 18,2 Jahre für Männer. Rechnerisch würde ein 65-Jähriger damit im Durchschnitt 83,2 Jahre alt, eine 65-Jährige 86,2 Jahre. "Tatsächlich werden die aktuell 65-Jährigen aber voraussichtlich ein höheres Alter erreichen, denn Zugewinne bei der Lebenserwartung machen sich heute vor allem bei Menschen über 70 Jahren bemerkbar", erklären die BiB-Forscher.
Die Wissenschaftler haben über die Jahre 1960 bis 2025 untersucht, wie sich der Unterschied zwischen Lebenserwartung und tatsächlicher Lebensdauer entwickelt hat. "In den letzten Jahrzehnten haben 65-Jährige im Durchschnitt fast durchgehend länger gelebt, als die zum Renteneintritt ermittelte Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren auswies", sagt Michael Mühlichen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BiB.
Medizinischer Fortschritt lässt Menschen älter werden
Besonders deutlich werde die durchschnittlich bestehende Lücke bei den Jahrgängen, die zwischen 1980 und 2003 den 65. Geburtstag erreicht haben. Mit einem Plus von 1,5 bis 2 Jahren hatten sie die höchsten Zugewinne, was damals vor allem mit den erheblichen medizinischen Fortschritten in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhing, wie aus der Analyse hervorging. Auch für diejenigen Menschen, die aktuell in Rente gehen, sei laut den offiziellen Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamts mit Zugewinnen zu rechnen, die bis zu zwei Jahren betragen dürften./löb/DP/jha
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