AUSBLICK: US-Notenbank könnte erstmals unter Warsh die Leitzinsen anheben
WASHINGTON (dpa-AFX) - Auf der dritten Zinssitzung der US-Notenbank Fed unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh könnte er erstmals die Leitzinsen anheben. An den Finanzmärkten wird angesichts der hohen Inflation an diesem Mittwoch überwiegend eine Erhöhung der Zinsspanne um 0,25 Prozentpunkte erwartet. Sie würde dann bei 3,75 bis 4,00 Prozent liegen. Die Spannung bleibt aber groß, da Warsh auf klare Signale für die Finanzmärkte verzichtet.
Finanzmarktindikatoren sehen eine Wahrscheinlichkeit von knapp 90 Prozent für eine Leitzinsanhebung. Die am Freitag veröffentlichten Inflationsdaten sorgten für einen Anstieg der Zinserhöhungserwartungen. Volkswirte sind sich bis jetzt nicht ganz einig, ob es zu einer Leitzinserhöhung kommt. Aber auch hier geht der Trend klar hin zu einer Zinserhöhung.
Die Jahresinflationsrate verharrte im August mit 3,4 Prozent deutlich über dem Ziel der US-Notenbank Fed von zwei Prozent. "Die US-Notenbank hat bereits Signale gesendet, dass sie die Zinsen anheben könnte, wenn der Inflationstrend sich nicht rasch abschwächt", kommentierte Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. "Jetzt muss sie eigentlich springen." Am Mittwoch dürfte sie den Leitzins aus seiner Sicht um 0,25 Prozentpunkte anheben.
Getrieben wird die Inflation vor allem durch höhere Energiepreise. Der Ausblick ist hier düster. Eine Trendwende ist angesichts der jüngsten Zuspitzung der Lage im Nahen Osten nicht in Sicht. Im September haben sich die Energiepreise nochmals deutlich verteuert. Auch die immer noch robuste US-Konjunktur spricht für eine Anhebung. Zudem entwickelte sich der Arbeitsmarkt im August besser als erwartet.
Notenbankchef Warsh hatte auf der Notenbankkonferenz von Jackson Hole die Tür für eine Leitzinserhöhung geöffnet. Er sagte, dass die Notenbank handeln müsse, falls sich die Inflation nicht rascher in Richtung des Zielwertes bewege.
Im Blick der US-Notenbank dürften auch die deutlich gestiegenen Renditen an den Anleihemärkten stehen. Nicht nur die Inflation, sondern auch die stark wachsende Verschuldung der USA treibt die Renditen nach oben. Hinzu kommt der hohe Finanzierungsbedarf insbesondere der KI-Unternehmen, der die Nachfrage nach Kapital erhöht. Die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen stieg zuletzt über 5 Prozent und erreichte den höchsten Stand seit 2007.
Nicht nur die hohe Inflation, sondern auch US-Präsident Donald Trump macht Warsh zu schaffen. Trump fordert im Gegensatz zu Experten weiterhin Leitzinssenkungen. Er bekräftigte zuletzt seine Drohung eines Handelsstopps mit bestimmten Ländern, sollte der Zentralbankrat die US-Geldpolitik nicht lockern. "Ich werde das bei einigen Ländern tun. Ich habe keine Wahl", sagte Trump. Er hatte Warsh ernannt, da Vorgänger Jerome Powell nicht bereit war, die Zinsen zu senken.
"Das Weiße Haus fordert weiterhin niedrigere Zinsen, während neue Aktivitäten am Markt für Staatsanleihen das Zusammenspiel von Fiskal- und Geldpolitik noch komplexer machen", kommentierte Anlagestratege Jenny Zeng, von Allianz Global Investors. "Nach Jahren der Zielüberschreitung bei der Inflation steht die Glaubwürdigkeit der Fed auf dem Prüfstand. Die Märkte werden daher darauf achten, ob Fed-Chairman Warsh seine jüngsten Äußerungen mit Taten untermauert."/jsl/jha/
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