Irak: Entwaffnung von Milizen erst im Sommer 2027
BAGDAD (dpa-AFX) - Die mit Iran verbündeten, mächtigen Milizen im Irak sollen erst bis zum Sommer 2027 entwaffnet werden und damit neun Monate später als bisher geplant. Das sagte der irakische Ministerpräsident Ali al-Saidi in einem Interview mit der "New York Times". Der neue Zeitpunkt für den Schritt war bisher nicht offiziell mitgeteilt worden. Al-Saidi hatte im Sommer gesagt, dass die Milizen eigentlich bis Ende September entwaffnet werden sollen - also bis Mittwoch kommender Woche. Bis zu diesem Datum soll auch der laufende Truppenabzug des US-Militärs aus dem Irak formell abgeschlossen sein.
Die Entwaffnung soll al-Saidi zufolge in mehreren Phasen ablaufen. Zunächst sollen die Milizen ihre Angriffe in der Region für 90 Tage einstellen unter dem Zugeständnis, dass sie ihrerseits nicht vom US-Militär angegriffen werden. Die Übergabe der Waffen solle anschließend beginnen und bis Ende Juni 2027 abgeschlossen sein, sagte er der US-Zeitung.
Irak als Schauplatz des Konflikts USA-Iran
Seit dem Sturz des irakischen Machthabers Saddam Hussein im Jahr 2003 ringen die USA und der Iran im Land um Einfluss. Die Regierung in Bagdad bemüht sich dabei um eine Balance. Der Irak wurde dabei in vergangenen Jahren immer wieder Schauplatz von Angriffen: Iran-treue Milizen griffen Militärbasen und diplomatische Einrichtungen der USA im Irak und anderen Ländern an, das US-Militär bombardierte Ziele der Milizen im Irak.
Die USA und der Irak hatten sich 2024 geeinigt, den US-Truppenabzug im nun laufenden Jahr 2026 umzusetzen. Zuvor waren rund 2.500 US-Soldaten im Irak stationiert. Zuletzt verblieben sie noch in Erbil in der Kurdenregion, an einem Stützpunkt in Nähe des Flughafens von Bagdad und im Regierungsviertel der Hauptstadt, bekannt als Grüne Zone.
Die Angriffe der Milizen könnten nach dem 30. September aber weitergehen, auch wenn die letzten US-Soldaten das Land verlassen haben. Die mächtigsten dieser bewaffneten Gruppen weigern sich bisher, die Waffen abzugeben und sich in die staatlichen Streitkräfte einzugliedern./jot/DP/nas
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