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ROUNDUP/Ladebordsteine für E-Autos: Welche Städte die Technik testen

KASSEL/BAD HOMBURG (dpa-AFX) - Sie sparen Platz und sind kaum sichtbar: Ladebordsteine für E-Autos gelten besonders in engen Innenstädten als Alternative zu den klassischen Ladesäulen. In Kassel werden seit Anfang Oktober zwei der im Bordstein eingelassenen Ladepunkte im Stadtteil Vorderer Westen getestet. Die Stadtwerke Bad Homburg erproben sie bereits seit rund einem Jahr für Fahrzeuge auf ihrem Betriebsgelände.

Die Städtischen Werke in Kassel errichteten die Anlagen nach eigenen Angaben bewusst in einem Wohngebiet, in dem viele Menschen keine eigenen Stellplätze oder Wallboxen haben. Ziel sei es, Elektromobilität und unkompliziertes Laden für mehr Menschen verfügbar zu machen. "Bei guter Akzeptanz und Nutzung sowie einem zuverlässigen Betrieb prüfen wir weitere Standorte", erklärte ein Sprecher.

Platzsparende Ladetechnik

Als Vorteile nannte er: "Die Ladetechnik ist in die Bordsteinkante integriert, also ein bestehendes Bauteil im Parkstand." Es sei weniger Bodenversiegelung beispielsweise von Grünflächen notwendig. "Die verfügbare Gehwegsbreite und Parkplätze bleiben erhalten, es sind keine gesonderten Fundamente, Poller oder Schutzbügel erforderlich." Die Ladepunkte seien zudem stadtbildverträglich und die Kabelwege zum Fahrzeug nah. "Kurz, sie sind platzsparend und nutzen Flächen optimal."

Geladen wird wie an anderen öffentlichen Ladepunkten: per Ladekarte oder ad hoc per QR-Code. Die von Rheinmetall <DE0007030009> hergestellten Bordsteine liefern jeweils bis zu 22 Kilowatt Wechselstrom. Sie sind laut Stadtwerken beheizt, wasserfest und für den Betrieb zu jeder Jahreszeit ausgelegt.

Kostenpunkt: 3.000 bis 4.000 Euro pro Ladebordstein. Im Vergleich zu herkömmlichen Ladesäulen seien die Kosten pro Ladepunkt etwas höher, die Errichtung aber tendenziell günstiger, weil kein gesondertes Fundament nötig ist, erläuterte der Sprecher. Zudem erwarte man einen wartungsarmen Betrieb.

Bad Homburg will Test ausweiten

In Bad Homburg läuft bereits seit Oktober vergangenen Jahres ein Pilotprojekt. Dort wurden auf dem Betriebsgelände der Stadtwerke drei Ladebordsteine in Betrieb genommen. Die Stadt sei von der Technologie überzeugt, sagte ein Sprecher. "Die Testphase ist noch nicht abgeschlossen. Jedoch hat sich der Ladebordstein bereits als sinnvolle und zuverlässige Ladeinfrastruktur bewiesen."

Die Erfahrungen seien durchweg positiv, erklärte er. Technische Ausfälle habe es bislang nicht gegeben, die Bedienung sei intuitiv. Der Test solle jetzt auf den öffentlichen Raum ausgeweitet werden. "Wir sind derzeit in konkreter Planung und werden bald die ersten öffentlichen Ladebordsteine verbauen."

Stadtwerke: "Sinnvolle Ergänzung"

Als Vorteil nennen die Stadtwerke vor allem den Einsatz bei beengten Platzverhältnissen, etwa an schmalen Gehwegen oder Parkbuchten. Nachteile: Pro Bordstein gibt es nur einen Ladepunkt, teils sind mehr Kabelwege nötig, und zur Authentifizierung muss man sich bücken.

Die Kosten inklusive Tiefbau und Straßenmarkierung kann die Stadt dem Sprecher zufolge noch nicht genau benennen. "Es ist absehbar, dass sie höher sein werden als bei Ladesäulen", sagte er. "Dennoch sehen wir die Bordsteine als sinnvolle Ergänzung für entsprechende Park- und Platzsituationen."

Keine konkreten Pläne in Darmstadt und Wiesbaden

Andere Städte zögern noch. In Darmstadt gibt es nach Angaben der Entega AG aktuell keine konkreten Pläne zur Installation von Ladebordsteinen. Der Energieanbieter verweist auf wirtschaftliche Gründe; Ladebordsteine seien je Ladepunkt kostenintensiver. "Die Technologie ist uns jedoch bekannt und könnte künftig dort zum Einsatz kommen, wo der verfügbare Platz für eine klassische Ladesäule nicht ausreicht", sagte ein Sprecher. Auch Wiesbaden hat nach eigenen Angaben aktuell keine konkreten Planungen, will den Ansatz aber prüfen.

Frankfurt sieht im bestehenden Straßenraum nur begrenzte Möglichkeiten. "Voraussetzung für eine wirtschaftliche und praktikable Umsetzung sind geeignete bauliche und infrastrukturelle Rahmenbedingungen", sagte ein Sprecher des Verkehrsdezernats. Diese seien in Frankfurt vielerorts nicht gegeben - insbesondere im dicht bebauten Altstadtbereich, wo die Gehwege häufig ohnehin nur wenig Platz böten. Zusätzliche Hausanschlusskästen könnten Gehwegflächen weiter einschränken.

Frankfurt und Fulda beobachten Entwicklungen

Aus Sicht der Mainmetropole kämen Ladebordsteine eher in neuen Quartieren infrage. "Wir verfolgen die Erfahrungen aus den laufenden Pilotprojekten anderer Städte jedoch mit Interesse und beziehen neue Erkenntnisse in die weitere Bewertung geeigneter Lösungen für Frankfurt ein", so der Sprecher.

Auch die Stadt Fulda beobachtet die Entwicklung nach eigenen Angaben sehr aufmerksam. Die gegenwärtigen E-Ladesäulen würden vermutlich nicht das Ende der Entwicklung darstellen, sagte ein Sprecher. Ob sich allerdings tatsächlich die Bordstein-Lösung im Außenbereich flächendeckend durchsetzen wird, bleibe abzuwarten. "Denn aus unserer Sicht sind Themen wie Schutz gegen Wassereintrag, Verschmutzung, Streusalz et cetera sowie auch die technischen Voraussetzungen beim Ladebordstein noch nicht hinreichend geklärt", erläuterte er.

Der ADAC Hessen-Thüringen erwartet wegen der höheren Kosten im Verhältnis zu üblichen Langsam-Ladesäulen keine flächendeckende Umsetzung. In innerstädtischen und historischen Bereichen könnten Ladebordsteine jedoch eine platzsparende und stadtbildverträgliche Lösung sein - allerdings seien sie wegen ihrer geringen Sichtbarkeit möglicherweise schwerer zu finden./nis/DP/zb

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