ROUNDUP/Hannover Rück: Kfz-Versicherungen werden 2027 noch teurer
BADEN-BADEN (dpa-AFX) - Autobesitzer in Deutschland müssen für ihre Kfz-Versicherungen nach Einschätzung der Hannover Rück <DE0008402215> 2027 noch tiefer in die Tasche greifen. Im Schnitt rechne er mit Preiserhöhungen im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich, erklärte der zuständige Bereichsleiter der Hannover-Rück-Deutschlandtochter, Stefan Schmuttermair, am Montag beim Branchentreffen in Baden-Baden. Wegen weiter steigender Preise für Ersatzteile und Reparaturen dürften die Gewinne 2026 und 2027 wieder bröckeln. Dabei waren die Kfz-Versicherer erst 2025 nach mehreren Verlustjahren in die Gewinnzone zurückgekehrt.
Im laufenden Jahr dürften die deutschen Kfz-Versicherer nach Schätzung der Hannover Rück nur einen versicherungstechnischen Gewinn von einer halben Milliarde Euro erzielen. Das wäre nicht einmal halb so viel wie im Vorjahr, als sie 1,1 Milliarden Euro verdient hatten. 2027 dürfte dieses Ergebnis trotz weiterer Beitragserhöhungen auf etwa 200 Millionen Euro schrumpfen, sagte Schmuttermair.
Ob für 2028 sogar wieder ein versicherungstechnischer Verlust droht, wagte er nicht zu prognostizieren. In den vergangenen Jahren hätten die Kfz-Versicherer jedenfalls gezeigt, dass sie auf stark steigende Schadensummen reagieren könnten. So hatte die Branche ihre Beitragseinnahmen in den Jahren 2023 bis 2026 nach Berechnungen der Hannover Rück von gut 30 Milliarden auf fast 40 Milliarden Euro gesteigert, während die Zahl der versicherten Fahrzeuge nur um zwei Millionen auf voraussichtlich 72,4 Millionen wuchs.
Der Dax-Konzern <DE0008469008> Hannover Rück ist der drittgrößte Rückversicherer der Welt und der größte Kfz-Rückversicherer für den deutschen Markt. Dadurch hat er einen guten Einblick in die Preisgestaltung großer Kfz-Versicherer wie Huk Coburg und Allianz <DE0008404005>. Im Gegensatz zu Vergleichsportalen wie Check24 und Verivox betrachtet die Hannover Rück nicht nur die Konditionen für Wechsler und Neukunden, sondern auch diejenigen für Autobesitzer, die ihren Versicherern treu bleiben.
Als Grund für die wieder schmelzenden Gewinne nannte die Hannover Rück die wachsenden Kosten für die Behebung der Schäden. "Die Ersatzteilpreise steigen viel stärker als die Verbraucherpreise", sagte Schmuttermair. Dies liege auch daran, dass in modernen Autos immer aufwendigere Technik verbaut werde. Zudem höben die Werkstätten ihre Stundensätze immer weiter an.
Für 2027 dürften die Kfz-Versicherer nach Ansicht der Hannover Rück jedoch nicht mehr so stark an der Preisschraube drehen wie in den Vorjahren. Im Einzelfall dürfte dies unterschiedlich ausfallen, erklärte Schmuttermair. So hätten es manche Versicherer mit den jüngsten Erhöhungen schon klar in die Gewinnzone geschafft und entsprechend wenig Nachholbedarf. Andere müssten noch stärkere Preiserhöhungen vornehmen.
Insgesamt zeigte sich Schmuttermair aber sicher: "Die Tariferhöhungen werden die Ersatzteilpreise nur zum Teil kompensieren." Die Gewinne der Branche dürften daher 2027 sinken./stw/men
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