funk vor Umbruch - KI zwingt Netzwerk zur Neuerfindung
MAINZ (dpa-AFX) - Das öffentlich-rechtliche Online-Angebot funk für junge Menschen feiert zehnjähriges Bestehen - muss sich nach Überzeugung seiner Programmmacher in KI-Zeiten jedoch neu erfinden. "KI wird diesen Markt verändern, die Art, wie Algorithmen Inhalte vorsortieren, wird sich verändern. Die Art, wie Content hergestellt wird, wird sich verändern", sagte Programmgeschäftsführer Philipp Schild in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.
Das Netzwerk funk, das seinen Redaktionssitz in Mainz hat, richtet sich an junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren. Es ist kein klassisches Fernsehangebot, sondern wird als Online-Content in den sozialen Medien verbreitet. Am 1. Oktober 2016 startete das Angebot.
Die Veränderungen durch KI seien einschneidend. "Man wird wahrscheinlich eine gute Idee schon in kürzester Zeit nur noch einsprechen müssen, und dann wird ein Video daraus", beschreibt Schild die Herausforderung. Inhalte, auch Videos, würden individuell auf den Nutzer zugeschnitten. "Das wird eine ganz andere Konkurrenzsituation für uns werden als heute." Obwohl funk ein modern strukturiertes und agiles Medienunternehmen sei, müsse es sich in den kommenden Jahren radikal verändern.
Funk sei 2016 entstanden, weil es eine "Abrisskante" der öffentlich-rechtlichen Anstalten zu jungen Menschen gegeben habe, sagt Schild. Diese Lücke sei inzwischen geschlossen worden. "Wir haben 88 Prozent Gesamtbekanntheit für unsere Angebote in der Zielgruppe." Es gehe darum, gesellschaftliche Themen für junge Menschen in deren Sprache zu adressieren und für sie aufzubereiten, sagt Schild. "So dass sie spüren, da ist auch jemand für uns da."
Rund 60 Formate
Aktuell bietet funk rund 60 verschiedene Formate an. Es geht um Themen wie Pubertät, aber auch um Nachrichten und Unterhaltung. Die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim wurde bei funk bekannt. Mirko Drotschmann (MrWissen2Go) oder auch die Reportagereihe STRG_F zählen zu den erfolgreichen Dauerbrennern des Netzwerks.
"Wer 14 ist, hat komplett andere Interessen als jemand, der 29 ist", sagt die stellvertretende Programmgeschäftsführerin von funk, Kristin Blum. Daher sei die Bandbreite an Formaten so groß, dass möglichst viele verschiedene Gruppen angesprochen werden könnten. Funk lebe vom ständigen Wechsel - seit dem Beginn vor zehn Jahren gab es mehr als 250 verschiedene Formate. "funk ist eigentlich immer wieder dabei, sich neu zu erfinden für die neue Generation. Bestimmte Sachen ziehen sich durch, und andere verändern sich total."
Um zu verstehen, was ankommt und was nicht, setzt funk auf Daten zu Reichweite und Nutzern. Über ein Dashboard kann die Redaktion in Mainz Zahlen zu den verschiedenen Plattformen sehen. "Würden wir das nicht tun, würden wir nicht sehen, wo wir Ziele reißen und würden Formate tot reiten. Und das machen wir eben nicht", sagt Schild. Erfolgsformate selbst mit Millionen-Reichweite würden ARD und ZDF übergeben, wenn sie nicht mehr zu den Zielgruppen von funk passten, ergänzt Blum.
Verbreitungswege als Herausforderung
Eine Herausforderung für die funk-Redaktion sind die Verbreitungswege. Die Inhalte werden neben einer eigenen Plattform, auf der alles abrufbar ist, konsequent auf Social Media ausgespielt. "Wir sind so beauftragt, dass wir die Lebenswirklichkeit der Zielgruppe abbilden sollen und das dort, wo sie unterwegs ist", sagt Blum.
Damit ist man allerdings auch den Algorithmen von Konzernen wie Meta oder TikTok unterworfen. "Die geben Spielregeln vor, wir geben aber wiederum vor, was wir dort machen", erklärt Blum. Deshalb gehe es auch darum, Inhalte nicht nur auf einer Plattform einzustellen. "Wenn wir etwas auf TikTok ausspielen, ist es was anderes, als wenn es bei YouTube-Shorts ausgespielt wird."
Dennoch könne man sich dem Einfluss der Konzerne nicht entziehen. "Wir haben einmal gemerkt, dass unsere politischen Postings auf Instagram weniger Reichweite hatten und haben uns natürlich gefragt, warum?", berichtet Schild. Anhand der vielen eigenen Daten habe man das analysieren können. "Wir haben dann gesehen, dass die Inhalte nicht mehr an Menschen ausgespielt worden sind, die den Formaten nicht aktiv gefolgt sind."
Versuche mit alternativen, dezentral organisierten Plattformen wie Mastodon liefen zwar, letztlich geht es aber darum, junge Menschen zu erreichen. "Es macht auch keinen Sinn, sich was vorzumachen und zu sagen, wir gehen von den großen Drittplattformen jetzt runter, und dann gehen die schon alle uns hinterher", sagt Schild.
Mit Köpfen und Formaten junge Menschen erreichen
Auf den ersten Blick ist nicht unbedingt sofort erkennbar, dass die Angebote von funk zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehören. Dahinter steckt durchaus Strategie. "Wir mussten erst mal dort reingehen und mit Köpfen und mit Formaten überzeugen, weil ARD und ZDF für die jungen Menschen eher das ist, was die Omi guckt oder vielleicht die Eltern", sagt Blum. Junge Menschen entwickelten erst nach und nach ein Markenbewusstsein - es werde aber bei funk-Angeboten kontinuierlich thematisiert, dass Inhalte zum Netzwerk gehörten.
Das Jahresbudget von zuletzt knapp 46 Millionen Euro wird zu einem Drittel vom ZDF und zu zwei Dritteln von der ARD getragen. Die öffentlich-rechtlichen Sender werden wiederum über den Rundfunkbeitrag finanziert, den jeder Haushalt bezahlen muss./hus/DP/stk
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