DAX zeigt weiter Stärke
Trend-Perspektive und Wahrscheinlichkeit: DAX Bullish 60%

Der DAX lieferte am Mittwoch eine volatile Sitzung mit 303 Punkten Spanne, die trotz widriger Umstände bullisch endete. Der Index eröffnete bei 25.052, ein Gap-Down von 19 Punkten unter dem Dienstagsschluss von 25.071, und fiel zunächst auf das Tagestief bei 24.955. Von diesem Tief startete eine Rallye von 303 Punkten, die den DAX auf das Tageshoch bei 25.258 trug. Der Schluss bei 25.147 lag zwar 111 Punkte unter dem Tageshoch, aber 192 Punkte über dem Tagestief und 95 Punkte über der Eröffnung. Der RSI(5) stieg auf 61,40 (von 56,82 am Dienstag), die dritte Sitzung in Folge mit steigendem RSI seit dem extremen Tief bei 21,82 am Montag. Der DAX kann sich bisher aber weiterhin über dem für den kurzfristigen Kursverlauf wichtigen 10er-EMA halten, der bei 25.026 Punkten notiert. Solange dies der Fall ist, sind eher weiter steigende Kurse zu erwarten.
Allerdings belastet die geopolitische Situation. Die Houthi-Miliz im Jemen lieferte die gravierendste Eskalation des Nahostkonflikts seit Wochen. Iran-verbündete Houthi-Kämpfer griffen am Mittwochabend zwei saudische Öltanker (Encelia und Layla) im Roten Meer an. Der militärische Sprecher Yahya Saree erklärte eine Seeblockade Saudi-Arabiens. Die Operation umfasste ballistische Raketen, Marschflugkörper und Drohnen, beide Schiffe wurden getroffen und gerieten in Brand. Die strategische Bedeutung dieser Entwicklung ist enorm. Sollte die Blockade auch nur teilweise durchgesetzt werden, wären bis zu 7% des globalen Ölangebots bedroht. Die Houthis haben ihre Kräfte nahe Bab el-Mandeb positioniert, dem südlichen Zugang zum Roten Meer, durch den täglich Millionen Barrel saudischen Öls nach Asien transportiert werden. Damit öffnet sich neben der Straße von Hormus (Iran) ein zweiter Engpass für den globalen Ölhandel. Brent stieg am Mittwoch auf 94,13 Dollar (plus 3,43%) und handelte am Donnerstagmorgen bereits Richtung 96 Dollar (plus 2,5%). Der Ölpreisanstieg von 87 Dollar Anfang der Woche auf 96 Dollar am Donnerstagmorgen ist ein Anstieg von rund 10% in drei Handelstagen. Zudem enttäuschten die nachbörslichen Quartalsergebnisse auf der Profitabilitätsseite. Alphabet meldete einen Q2-Umsatz von 119,8 Milliarden Dollar (Konsens 116,9 Mrd., plus 24% YoY). Google Cloud wuchs um 82%, getrieben von KI-Infrastruktur und Gemini Enterprise (90% der Fortune 100 nutzen es). Isoliert betrachtet sind das herausragende Zahlen. Doch Alphabet hob die Capex-Prognose für 2026 auf 195 bis 205 Milliarden Dollar an und meldete zum ersten Mal in der Firmengeschichte einen negativen Free Cashflow von minus 5,8 Milliarden Dollar. Die Investitionsausgaben im Quartal betrugen 44,9 Milliarden Dollar. Die Aktie fiel nachbörslich um mehr als 4%. Die Kernfrage für den Markt ist nicht mehr, ob KI Umsatz generiert (das tut sie zweifelsfrei), sondern ob die Rendite auf das investierte Kapital jemals die Investitionssummen rechtfertigen wird. Tesla berichtete einen Q2-Umsatz von 28,24 Milliarden Dollar (plus 26% YoY), verfehlte aber den Gewinnkonsens deutlich. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,33 Dollar (Konsens 0,51 Dollar). Der GAAP-Nettogewinn sank um 5% auf 1,11 Milliarden Dollar. IBM war die positive Ausnahme. Der Gewinn je Aktie von 2,93 Dollar übertraf den Konsens von 2,86 Dollar. Der Umsatz lag bei 17,2 Milliarden Dollar (plus 1% YoY). Software wuchs um 5% (Red Hat plus 11%, Data plus 19%), Infrastruktur fiel um 7% (IBM Z minus 42%). Das Management bestätigte die Jahresprognose mit 4% bis 5% Umsatzwachstum in konstanter Währung. Die Aktie stieg nachbörslich um 2%. Die AAII-Sentimentumfrage (Woche bis 22. Juli) zeigt einen dramatischen Stimmungsumschwung. Der Anteil bullischer Anleger brach von 44,9% auf 29,6% ein (minus 15,3 Prozentpunkte), der Anteil bärischer Anleger sprang von 32,9% auf 42,3% (plus 9,4 Prozentpunkte). Der Bull-Bear-Spread kippte von plus 12,0 auf minus 12,7, ein Swing von 24,7 Punkten in einer einzigen Woche. Der neutrale Anteil stieg von 22,2% auf 28,1%. Als konträrer Indikator ist dieser Stimmungseinbruch bemerkenswert. Historisch zeigen derart schnelle Umschwünge von Euphorie (44,9% bullish) zu Angst (42,3% bearish) innerhalb einer Woche, dass die schwachen Hände bereits verkauft haben und der Markt für eine Erholung anfälliger wird, sobald der auslösende Katalysator (in diesem Fall die Houthi-Eskalation und die Earnings-Enttäuschungen) eingepreist ist. Heute steht der EZB-Zinsentscheid im Fokus. Die Markterwartung liegt bei einer Pause bei 2,25% (Wahrscheinlichkeit über 95%). Der Juli ist keine Projektionssitzung, was die Hürde für eine Zinsänderung erhöht. Doch die Pressekonferenz von Lagarde wird unter völlig neuen Vorzeichen stattfinden. Der Ölpreisanstieg um 10% seit Wochenbeginn, der Houthi-Angriff und die potenzielle Blockade saudischer Ölexporte zwingen Lagarde zu einer Positionierung. Am Nachmittag werden die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht (letzte Woche 208.000). SAP berichtet Q2-Zahlen um 22:00 Uhr (Konsens EPS 2,00 Dollar, Umsatz 11,4 Mrd. Dollar). Als gewichtigster DAX-Einzelwert werden die SAP-Ergebnisse die Freitagseröffnung maßgeblich beeinflussen.

Handelsmöglichkeiten
Der DAX hat den 50er- und 10er-EMA am Vortag nach oben durchbrochen und kann den 10er-EMA bisher verteidigen, was kurzfristig auf eher weiter steigende Kurse hindeutet. Die nächste Zielmarke ist nun der Bereich von 25.500 Punkten, darüber der Bereich von 25.900 und 26.000 Punkten.
Widerstände: 25.100 / 25.400 / 25.500 Punkte
Unterstützungen: 25.000 / 24.800 / 24.700 Punkte
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